3.1 Überblick über die Kompetenzen von Pädagog*innen auf Grundlage des LifeComp-Modells

Welche professionellen Kompetenzen benötigen Pädagog*innen und welche Bedeutung haben diese für die sozial-emotionale Bildung der Kinder?

„Bewusst vermitteln wir Wissen; unbewusst lehren wir, was wir sind.“

Hamachek, 199, S.209

Was ist eine Erzieherin, ein Erzieher? Was braucht es, um als Pädagog*in gut zu sein, professionell richtig zu handeln und qualitätsvolle pädagogische Prozesse zu gestalten? Zwei Fragen führen zur Antwort: was sind wichtige pädagogische Basiskompetenzen und was brauchen Pädagog*innen, damit sie diese Kompetenzen erwerben können (vgl. Korthagen nach Tatalović et al., 2023)?

Erzieherinnen bzw. Erzieher sind Profis für das Planen, Organisieren und Begleiten von Bildungsprozessen. Sie haben fachliches Wissen und wenden dieses praktisch an, wobei sie grundsätzlich offen und in unvorhergesehenen Situationen flexibel reagieren.

Sie benötigen ein Bündel von Fähigkeiten, Wissen und Einstellungen: z.B. Entscheidungsstärke, um Fachwissen zur richtigen Zeit und auf die richtige Art einzusetzen. Insbesondere das Interesse daran, die Entwicklung von Kindern individuell zu unterstützen, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfreude sind wichtige Fähigkeiten, die in der Interaktion mit der Kita-Umwelt (dem Team, den Kindern, den Eltern und weiteren Akteuren) genutzt werden.

Die Kompetenz von Pädagog*innenn zeigt sich vor allem in der Zufriedenheit des Kindes damit, in der Gruppe zu sein. Ein Kind, dessen Bedürfnisse erfüllt werden und das sich in der Gruppe sicher und angenommen fühlt, lernt leichter und entwickelt sich auf natürliche Weise. Kompetente Pädagog*innen stellen sich ständig die Frage: „Warum?“.

Zum Beispiel:

  • Warum weinen Kinder, wenn sie von ihren Eltern getrennt werden?
  • Warum ist ihnen im Kindergarten langweilig?
  • Warum können sie es kaum abwarten nach Hause zu gehen?

Die professionelle Rolle von Pädagog*innen beinhaltet immer das Streben nach Verbesserung sowie das Reflektieren und Bewerten der eigenen pädagogischen Praxis, so wie sie ist.

Manchmal ist es für Pädagog*innen schwierig, selbstständig einzuschätzen, was gut funktioniert und was nicht. Um die eigene Aufgabe angemessen erfüllen zu können, braucht es den kritischen, wohlwollenden Blick einer Kollegin bzw. eines Kollegen, denn eine Perspektive aus einem anderen Blickwinkel kann sehr hilfreich sein. Dabei ist die zentrale Fähigkeit, Kindern, Kolleg*innen, sich selbst und der Institution als Ganzem zuzuhören. Eine kompetente Erzieherin bzw. ein kompetenter Erzieher ist eine Fachperson mit spezifischem Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen, die der Entwicklung und dem Wohlbefinden des Kindes dienen.

Das Kind steht im Mittelpunkt. Der optimale Entwicklungsweg soll ermöglicht werden, damit jedes Kind sein Potenzial entfalten kann. Ausgehend von der eigenen Neugier, dem Zuhören und Fragen sowie der Reflexion der eigenen Tätigkeit werden Pädagog*innen zu Mitgestalter*innen von Entwicklung und Lernen und zu Erforscher*innen der eigenen Praxis. Kompetenz kein statischer Begriff, sondern ein Entwicklungsprozess und Teil des persönlichen lebenslanges Lernens und Forschens.

"Geht es den Lehrern gut, geht es den Kindern gut."

McCallum & Price, 2010

Neben den grundlegenden Kompetenzen, die Pädagog*innen haben sollten (Interaktionen, Inklusion, Vielfalt und demokratische Werte, Beobachtung und Planung; Lehrstrategien; Lernumgebung, professionelle Weiterentwicklung sowie Familie und Gemeinschaft), wird der Prozess pädagogischer Arbeit im Bereich der impliziten Pädagogik in erheblichem Maße durch ihre Persönlichkeit (Tatalović Vorkapić, 2017), ihre Einstellungen und bestimmte lebenslange Kompetenzen beeinflusst, von denen sozial-emotionale Kompetenzen (CASEL) sowie persönliche, soziale und Lernkompetenzen im Sinne des Lernen-zu-lernen (LifeComp) von außerordentlicher Bedeutung sind.

Sozial-emotionale Kompetenzen werden von früh an erworben und sind entscheidend für den Erfolg im Leben, das gilt auch für Lehrkräfte. Sozial-emotionale Kompetenzen fördern den Erfolg auf persönlicher und beruflicher Ebene, unterstützen positives Verhalten in der Interaktion mit der Umwelt und reduzieren Stress. Gleichzeitig sind sie eine Schlüsselkompetenz für angehende Pädagog*innen, die offen für Veränderungen bleiben und zum lebenslangen Lernen bereit sein sollten. Sie bilden ein Kompetenzbündel, das zugleich eine Voraussetzung dafür ist, ein hohes Maß an Wohlbefinden und psychischer Gesundheit bei Pädagog*innen zu erreichen und damit auch das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Kindern im frühen und vorschulischen Alter.