4.1 So nutzt du die Aktivitäten!

Pädagogik, die bewegt - unsere gemeinsame Haltung

Du weißt es längst: Soziales, emotionales und "Lernen zu lernen", (sogenanntes metakognitives Lernen), sind keine pädagogischen Schlagwörter. Sie bilden das Fundament für gelingende Entwicklung und ein gutes Miteinander im Alltag mit Kindern.

Mit diesem Projekt rückst du diese Themen bewusst ins Zentrum deiner pädagogischen Arbeit.

Und ja, die folgenden Grundprinzipien kennst du wahrscheinlich schon in- und auswendig. Da sie uns so wichtig sind, stehen sie als Erinnerung gleich am Beginn der Einführung. Sie sind der rote Faden, der alles zusammenhält.

Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle

Das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und Entscheidungen stets an seinem Wohl auszurichten, ist ein Grundpfeiler frühkindlicher Bildung und Betreuung.

Das bedeutet: Jede Haltung, jede Maßnahme und jede Aktivität, die Kinder betrifft, soll ihre Sicherheit, ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklung fördern.

Dieses Prinzip ist nicht nur pädagogisch und ethisch sinnvoll, sondern in Deutschland gesetzlich verankert. (Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention und unter dem Gesichtspunkt der Partizipation im § 8a Abs. 1, SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfegesetz).

Wenn du das Wohl des Kindes zur Richtschnur machst, entsteht ein Raum, in dem sich Kinder sicher, gesehen, geachtet und gestärkt fühlen.

Das Projekt unterstützt dich mit erprobten Methoden, um jedes Kind individuell und feinfühlig zu begleiten in einer zugewandten und entwicklungsfördernden Lernumgebung.

Vielfalt: Ja! - Der Anti-Bias-Ansatz

Ein wertschätzender Umgang mit Vielfalt ist unerlässlich. Kinder sollen Stolz für ihre eigene Identität entwickeln und zugleich lernen, andere in ihrer Verschiedenheit zu respektieren und zu verstehen.

Mit dem Anti-Bias-Ansatz reflektieren wir eigene unbewusst vorhandene Vorurteile, um uns selbst weiterzuentwickeln, um Vielfalt besser zu leben, Ausgrenzung vorzubeugen und echte Teilhabe von Kindern zu ermöglichen. Es beginnt mit unserer Haltung: offen, neugierig und reflektiert. Wir schauen anders auf unsere Umwelt, achten beispielsweise zunehmend darauf, Materialien einzusetzen, in denen sich möglichst viele Kinder wiederfinden können, ohne Klischees, ohne Einseitigkeit.

In den Aktivitäten findest du sorgfältig ausgewählte Geschichten, Bilder und Materialien, die die Vielfalt von Familienformen, kulturellen Hintergründen und Lebensrealitäten sichtbar machen.

Eltern als starke Partner

Soziales und emotionales Lernen endet nicht an der Tür der Einrichtung.

Binde Eltern aktiv ein, mit kleinen Impulsen für zu Hause, Einladungen zu Geschichten oder Aktivitäten oder auch durch Elternabende, bei denen SEL-Themen praxisnah vermittelt werden.

Wenn Pädagog*innen und Eltern an einem Strang ziehen, entsteht eine stabile Brücke zwischen zuhause und Kita. Und genau das gibt Kindern Orientierung, Sicherheit und Rückhalt.

So startest du

Für deinen Einstieg in die SEL-Praxis stehen dir zwei zentrale Bausteine zur Verfügung:

  1. Unser Booklet "Kira und Miro - Geschichten aus der Kita"
  2. Ein großer Schatz an erprobten Ideen - vielfältig, praxisnah und mit viel Herz und Fachverstand ausgewählt.

"Kira und Miro - Geschichten aus der Kita"

"Kira und Miro - Geschichten aus der Kita"

Unser Booklet unterstützt dich dabei SEL, also soziales und emotionales Lernen, auf situative, kindzentrierte und spielerische Weise in den Kindergartenalltag zu integrieren. Die Geschichten greifen zentrale Themen wie Freundschaft, Empathie, Vielfalt und gemeinsames Problemlösen auf, spannend, kindgerecht und nah an der Lebenswelt der Kinder.

Durch Zuhören, Erzählen, Besprechen oder Nachspielen stärken die Kinder ihre sozialen Beziehungen, lernen, Gefühle zu verstehen und auszudrücken, und entwickeln Vertrauen in ihre Fähigkeit, alltägliche Herausforderungen selbstbewusst zu meistern. Die Geschichten können durch Materialien wie Handpuppen, Bildkarten und Spielideen ergänzt werden, die die Fantasie anregen, die Inhalte lebendig werden lassen und zur aktiven Teilnahme ermutigen.

Ein besonderer Schwerpunkt des Booklets liegt auf dem Kompetenzbereich L2 - Lernen (Kritisches Denken). Die Aktivitäten und Geschichten unterstützen Kinder dabei, Selbstwahrnehmung, Reflexionsfähigkeit, Neugier und selbstständige Lernstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig fördern sie durch Zusammenarbeit, Kommunikation, Empathie und gemeinsame Erfahrungen wichtige personale und soziale Lernkompetenzen.

Anleitung zum Basteln einer Handpuppe

Unser Schatz: Basis- und Aufbauaktivitäten

Persönliches Superkräfte-Rad

Du kannst bei allen Basis- und Aufbauaktivitäten aus verschiedenen Formaten wählen: spielerische Übungen, Rollenspiele oder gezielte kindgemäße SEL-Techniken. Oder es geht gleich mit einem Projekt los, das sich über mehrere Einheiten erstreckt.

Projekte eignen sich besonders gut, um SEL-Themen dauerhaft im Alltag zu verankern und für Kinder persönlich bedeutsam zu machen.

Mach SEL auch zu einer Erfahrung in Partizipation. Du hast die Auswahl und den Überblick über die Methoden und du kennst die Kinder deiner Gruppe. Beziehe sie aktiv in die Umsetzung ein und stelle Ideen zur Auswahl. Denn, Hand aufs Herz: Nicht alles, was wir "Großen" für sinnvoll halten, ist für Kinder automatisch genauso attraktiv. Sei offen für das, was entsteht, wenn du den Ideen der Kinder nachgehst.

Alle Aktivitäten sind flexibel einsetzbar: Du kannst sie an den Stand deiner Gruppe anpassen, einzelne Bausteine auslassen oder in eigener Reihenfolge einsetzen.

Jede Aktivität ist in sich abgeschlossen, klar strukturiert und mit Symbolen versehen. So findest Du dich schnell zurecht und kannst gezielt planen.

Mit jeder neuen Aktivität wird SEL ein selbstverständlicherer Teil deines pädagogischen Alltags - erlebbar, wirksam, lebendig.

Schritt-für-Schritt-Einführung in SEL

Du kannst sofort mit der gesamten Reihenfolge starten, die alle Aktivitäten und Impulse enthält. Alternativ kannst du auch unsere Beispiel-Sequenz nutzen, um SEL Schritt für Schritt in deinen pädagogischen Alltag zu integrieren.

Diese Beispiel-Sequenz ist als Inspiration gedacht. Du kannst Reihenfolge, Tempo und Schwerpunkte jederzeit an die Bedürfnisse und Interessen deiner Kinder anpassen. Oft entstehen die wertvollsten Lernmomente genau dann, wenn Kinder besonders engagiert sind und ein Thema gemeinsam noch intensiver vertieft werden kann.

Schritt für Schritt können die vorgeschlagenen Aktivitäten dabei helfen, wichtige SEL-Erfahrungen und unterstützende Routinen aufzubauen, die sich über mehrere Monate hinweg nachhaltig im Alltag verankern. Danach kannst du ganz einfach zu den Aufbauaktivitäten des vollständigen Programms wechseln.

Phasen der Beispiel-Sequenz und vorgeschlagene ungefähre Dauer:

  • Aktivitäten "Ankommen & Starten" → ca. 3 Wochen
  • Aktivitäten "Dranbleiben & Vertiefen" → ca. 2 Wochen
  • Aktivitäten "Stärken & Aufbauen" → ca. 4 Wochen
  • Aktivitäten "Bereit für mehr" → ca. 4 Wochen

Mit Kira, Miro und der Zauberkiste die "drei Phasen" meistern

Handpuppen

Manche Aktivitäten lassen sich besonders gut in eine kleine Szene mit Handpuppen einbetten und wer wäre dafür besser geeignet als Kira und Miro? Die beiden eröffnen die Aktivität und gern mit dabei: die Zauberkiste. Sie ist ein pädagogisches Multitalent. In ihr stecken Materialien, die das Thema spannend einleiten. Das wirkt motivierend, aktivierend und mit einer Prise Magie.

Damit alles gut eingebettet ist, empfehlen wir unsere SEL Drei-Phasen-Struktur:

  1. Einführung: Kira und Miro bringen die Zauberkiste mit. Die Puppen erzählen eine Geschichte oder stellen neugierige Fragen. Der Einstieg ins Thema wird so spielerisch und lebendig.
  2. Aktivität: Jetzt sind die Kinder dran! Sie setzen sich aktiv, kreativ mit dem Thema auseinander.
  3. Reflexion: Am Ende wird gemeinsam zurückgeschaut: Was haben wir erlebt, gedacht, gefühlt? Die Kinder teilen ihre Eindrücke, natürlich auch mit Kira und Miro. Der Pädagoge oder die Pädagogin sammelt im gemeinsamen Austausch die Ideen und Wünsche der Kinder. Mithilfe von Kira und Miro fasst er/sie die Kindersicht abschließend zusammen.

Umgang mit starken Emotionen während gemeinsamer SEL-Impulse und Aktivitäten

Während gemeinsamer SEL-Aktivitäten kann es dazu kommen, dass Kinder intensive Emotionen wie Freude, Wut, Traurigkeit, Angst oder Frustration sehr stark ausdrücken. Solche Situationen gehören zum pädagogischen Alltag, bieten wichtige Lerngelegenheiten und erfordern eine achtsame und professionelle Begleitung. Pädagogische Fachkräfte vermitteln in diesen Momenten Sicherheit, nehmen Gefühle ernst und unterstützen Kinder dabei, ihre Emotionen zu erkennen, zu benennen und zunehmend selbst zu regulieren. Zentrale Grundlage ist eine flexible, kindorientierte Haltung, bei der der geplante Ablauf auch zugunsten der aktuellen Gruppensituation angepasst wird.

Ebenso wichtig ist die Selbstregulation und Selbstreflexion der Fachkräfte: Eigene emotionale Reaktionen wie Unsicherheit, Ärger, Überforderung oder Hilflosigkeit sollten bewusst wahrgenommen und reflektiert werden, da sie das pädagogische Handeln beeinflussen können. Der regelmäßige Austausch im Team sowie kollegiale Beratung unterstützen dabei, Situationen professionell einzuordnen und das pädagogische Handeln kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Diese Haltung unterstützt dabei, starke Emotionen nicht als Störung, sondern als integralen Bestandteil frühkindlicher Entwicklung zu verstehen und gezielt für Lernprozesse zu nutzen.

Pädagogische Grundhaltung und Vorgehen in emotional herausfordernden Situationen

  • Auf eine ruhige, sichere und verlässliche Atmosphäre achten
  • Individuelle Signale und Bedürfnisse (verbal und nonverbal) aufmerksam wahrnehmen
  • Kindern Zeit und Raum für Emotionsausdruck geben, ohne Druck oder Bewertung
  • Gefühle wahrnehmen, ernst nehmen und sprachlich begleiten
  • Emotionen zulassen, gleichzeitig klare Grenzen für Verhalten setzen (Schutzauftrag)
  • Kinder aktiv bei der Entwicklung eigener Emotionsregulationsstrategien unterstützen
  • Bei Überforderung je nach Situation gezielt Reizreduktion, Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten ermöglichen
  • Je nach Situation Atem-, Körper- und Entspannungsübungen anbieten
  • Angebote flexibel gestalten und bei Bedarf anpassen, unterbrechen oder vereinfachen
  • Nicht starr am geplanten Ablauf festhalten, sondern situativ und bedarfsorientiert handeln
  • Emotionale Situationen gemeinsam mit den Kindern nachbesprechen und reflektieren
  • Eigene Emotionen und das pädagogische Handeln kontinuierlich reflektieren
  • ausfordernde Situationen im Team besprechen und kollegiale Beratung nutzen

Der Körper kommt oft vor dem Kopf

Da Emotionen eng mit körperlichen Prozessen verbunden sind, kann der Körper als zentraler Zugang zur Emotionsregulation genutzt werden. In stark emotionalen Momenten lassen sich Inhalte häufig nicht mehr ruhig besprechen. Über den Körper können Kinder gezielt unterstützt werden, indem starke innere Erregung zunächst ausgedrückt, anschließend strukturiert und schließlich beruhigt wird. Fachkräfte sollten über eine gute Methodensicherheit verfügen sowie beim Angebot körperorientierter Impulse feinfühlig darauf achten, wie die Kinder reagieren und Ideen entsprechend anpassen.

Beispiele:

Und wie geht es weiter?

Die SEL-Basisaktivitäten bilden das Fundament. Die SEL-Aufbauaktivitäten stehen dir flexibel zur Verfügung. Mit ihnen vertiefen die Kinder ihr Wissen, üben weiter einen konstruktiven Umgang mit Gefühlen, verbessern ihre Selbstregulation, entwickeln ihre sozialen Kompetenzen, steigen tiefer ins Lernen zu lernen ein und finden als Gruppe noch besser zusammen.

Nutze die gewonnenen Erfahrungen und deinen Zuwachs an methodischer Sicherheit, um gezielt auszuwählen, was zu deiner Gruppe passt, natürlich wieder gemeinsam mit den Kindern.

Du machst den Unterschied!

Mit deiner Haltung, deinem Wissen und deinem Engagement für die Kinder wird SEL lebendig. SEL- Methoden und Materialien geben Impulse, doch erst durch dich entfalten sie ihre Wirkung, denn du begleitest Kinder dabei, sich wohl und selbstbewusst zu fühlen, sich selbst und andere besser zu verstehen, Beziehungen zu gestalten und mit Zuversicht zu wachsen.

Wir wünschen dir und den Kindern eine bereichernde Zeit, mit Hand, Herz, Kopf und viel Freude am gemeinsamen Entdecken.