4 Einführung in die Aktivitäten

Pädagogik, die bewegt - unsere gemeinsame Haltung

Du weißt es längst: Soziales, emotionales und "Lernen zu lernen", (sogenanntes metakognitives Lernen), sind keine pädagogischen Schlagwörter. Sie bilden das Fundament für gelingende Entwicklung und ein gutes Miteinander im Alltag mit Kindern.

Mit diesem Projekt rückst du diese Themen bewusst ins Zentrum deiner pädagogischen Arbeit.

Und ja, die folgenden Grundprinzipien kennst du wahrscheinlich schon in- und auswendig. Da sie uns so wichtig sind, stehen sie als Erinnerung gleich am Beginn der Einführung. Sie sind der rote Faden, der alles zusammenhält.

Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle

Das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und Entscheidungen stets an seinem Wohl auszurichten, ist ein Grundpfeiler frühkindlicher Bildung und Betreuung.

Das bedeutet: Jede Haltung, jede Maßnahme und jede Aktivität, die Kinder betrifft, soll ihre Sicherheit, ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklung fördern.

Dieses Prinzip ist nicht nur pädagogisch und ethisch sinnvoll, sondern in Deutschland gesetzlich verankert. (Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention und unter dem Gesichtspunkt der Partizipation im § 8a Abs. 1, SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfegesetz).

Wenn du das Wohl des Kindes zur Richtschnur machst, entsteht ein Raum, in dem sich Kinder sicher, gesehen, geachtet und gestärkt fühlen.

Das Projekt unterstützt dich mit erprobten Methoden, um jedes Kind individuell und feinfühlig zu begleiten in einer zugewandten und entwicklungsfördernden Lernumgebung.

Vielfalt: Ja! - Der Anti-Bias-Ansatz

Ein wertschätzender Umgang mit Vielfalt ist unerlässlich. Kinder sollen Stolz für ihre eigene Identität entwickeln und zugleich lernen, andere in ihrer Verschiedenheit zu respektieren und zu verstehen.

Mit dem Anti-Bias-Ansatz reflektieren wir eigene unbewusst vorhandene Vorurteile, um uns selbst weiterzuentwickeln, um Vielfalt besser zu leben, Ausgrenzung vorzubeugen und echte Teilhabe von Kindern zu ermöglichen. Es beginnt mit unserer Haltung: offen, neugierig und reflektiert. Wir schauen anders auf unsere Umwelt, achten beispielsweise zunehmend darauf, Materialien einzusetzen, in denen sich möglichst viele Kinder wiederfinden können, ohne Klischees, ohne Einseitigkeit.

In den Aktivitäten findest du sorgfältig ausgewählte Geschichten, Bilder und Materialien, die die Vielfalt von Familienformen, kulturellen Hintergründen und Lebensrealitäten sichtbar machen.

Eltern als starke Partner

Soziales und emotionales Lernen endet nicht an der Tür der Einrichtung.

Binde Eltern aktiv ein, mit kleinen Impulsen für zu Hause, Einladungen zu Geschichten oder Aktivitäten oder auch durch Elternabende, bei denen SEL-Themen praxisnah vermittelt werden.

Wenn Pädagog*innen und Eltern an einem Strang ziehen, entsteht eine stabile Brücke zwischen zuhause und Kita. Und genau das gibt Kindern Orientierung, Sicherheit und Rückhalt.


So startest du

Für deinen Einstieg in die SEL-Praxis stehen dir zwei zentrale Bausteine zur Verfügung:

  1. Unser Booklet "Kira und Miro - Geschichten für den Alltag"
  2. Ein großer Schatz an erprobten Ideen - vielfältig, praxisnah und mit viel Herz und Fachverstand ausgewählt.

"Kira und Miro - Geschichten für den Alltag"

Unser Booklet unterstützt Dich dabei SEL, also soziales und emotionales Lernen, situations- und kindgerecht in den Alltag zu integrieren.

Die Geschichten greifen zentrale Themen wie Freundschaft, Empathie, Vielfalt und gemeinsames Problemlösen auf, spannend, kindgerecht und nah an der Lebenswelt der Kinder.

Beim Zuhören, Erzählen, Besprechen oder Nachspielen stärkst du soziale Beziehungen, hilfst Kindern, Gefühle zu verstehen und Herausforderungen selbstbewusst zu meistern.

Ergänzend zu den Geschichten kannst du Materialien wie Handpuppen, Bildkarten oder Spielideen einsetzen. Sie regen die Fantasie an, machen die Inhalte lebendig und laden zum Mitgestalten ein.

Unser Schatz: Basis- und Aufbauaktivitäten

Du kannst bei allen Basis- und Aufbauaktivitäten aus verschiedenen Formaten wählen: spielerische Übungen, Rollenspiele oder gezielte kindgemäße SEL-Techniken. Oder es geht gleich mit einem Projekt los, das sich über mehrere Einheiten erstreckt.

Projekte eignen sich besonders gut, um SEL-Themen dauerhaft im Alltag zu verankern und für Kinder persönlich bedeutsam zu machen.

Mach SEL auch zu einer Erfahrung in Partizipation. Du hast die Auswahl und den Überblick über die Methoden und du kennst die Kinder deiner Gruppe. Beziehe sie aktiv in die Umsetzung ein und stelle Ideen zur Auswahl. Denn, Hand aufs Herz: Nicht alles, was wir "Großen" für sinnvoll halten, ist für Kinder automatisch genauso attraktiv. Sei offen für das, was entsteht, wenn du den Ideen der Kinder nachgehst.

Alle Aktivitäten sind flexibel einsetzbar: Du kannst sie an den Stand deiner Gruppe anpassen, einzelne Bausteine auslassen oder in eigener Reihenfolge einsetzen.

Jede Aktivität ist in sich abgeschlossen, klar strukturiert und mit Symbolen versehen. So findest Du dich schnell zurecht und kannst gezielt planen.

Mit jeder neuen Aktivität wird SEL ein selbstverständlicherer Teil deines pädagogischen Alltags - erlebbar, wirksam, lebendig.


Ein kleiner Basis-Leitfaden für große Gefühle

Die Basisaktivitäten bilden das Fundament von SEL: Sie fördern die Körper- und Sinneswahrnehmung sowie den Umgang mit Emotionen.

Kinder lernen, sich selbst und andere wahrzunehmen, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken und sich in sozialen Situationen angemessen zu verhalten. Dabei werden wichtige Kompetenzen wie Zuhören, Perspektivübernahme, Kooperation und Achtsamkeit gestärkt.

Um Lernprozesse altersgerecht und -förderlich in Gang zu bringen, haben wir für dich einen Ablauf zusammengestellt. Klingt vielleicht erstmal technischer als es ist, aber keine Sorge, das Ganze ist ein praktischer Leitfaden, der dich durch die nächsten Wochen begleitet.

In der Kurzfassung sieht das so aus:

  • Aktivitäten A1 bis A4 → ca. 3 Wochen
  • Aktivitäten B1 bis B3 → ca. 2 Wochen
  • Aktivitäten C1 bis C5 → ca. 4 Wochen
  • Aktivitäten D1 bis D5 → ca. 4 Wochen

Mit dieser Reihenfolge setzt du in drei bis vier Monaten viele wirksame SEL-Impulse, Schritt für Schritt und mit nachhaltigem Effekt. Natürlich kannst du das Tempo jederzeit anpassen. Wenn Kinder tiefer in ein Thema eintauchen, lohnt sich das Innehalten umso mehr.


Was dir die SEL-Symbole sagen

Diese Symbole helfen dir bei der Orientierung:

  • Zeit Informationen zu Vorbereitungszeit und Dauer der Aktivität
  • Bildkarten Hier kommen Bildkarten zum Einsatz (Tipp: Unsere Vorlagen drucken, laminieren und loslegen!)
  • Handpuppen Unsere Lieblingsmethode! Die Puppen stellen Fragen, regen zum Nachdenken an, bringen Materialien mit oder führen charmant ins Thema ein.
  • Kunst, Musik & Medien Hier wird’s kreativ mit Bildern, Büchern, Musik oder Instrumenten
  • Spiele & SEL-Techniken Kürzere, leicht in den Alltag integrierbare Impulse
  • Draußen aktiv Diese Aktivitäten lassen sich gut im Freien durchführen
  • Projektarbeit Mehrteilige Vorhaben, aus denen auch tolle Materialien hervorgehen
  • Eltern Impulse für die Zusammenarbeit mit Familien, auch für Elternabende
  • Kompetenzen Fähigkeiten, die mit einer Aktivität besonders gestärkt werden

Mit Kira, Miro und der Zauberkiste die "drei Phasen" meistern

Manche Aktivitäten lassen sich besonders gut in eine kleine Szene mit Handpuppen einbetten und wer wäre dafür besser geeignet als Kira und Miro? Die beiden eröffnen die Aktivität und gern mit dabei: die Zauberkiste. Sie ist ein pädagogisches Multitalent. In ihr stecken Materialien, die das Thema spannend einleiten. Das wirkt motivierend, aktivierend und mit einer Prise Magie.

Damit alles gut eingebettet ist, empfehlen wir unsere SEL Drei-Phasen-Struktur:

  1. Einführung: Kira und Miro bringen die Zauberkiste mit. Die Puppen erzählen eine Geschichte oder stellen neugierige Fragen. Der Einstieg ins Thema wird so spielerisch und lebendig.
  2. Aktivität: Jetzt sind die Kinder dran! Sie setzen sich aktiv, kreativ mit dem Thema auseinander.
  3. Reflexion: Am Ende wird gemeinsam zurückgeschaut: Was haben wir erlebt, gedacht, gefühlt? Die Kinder teilen ihre Eindrücke, natürlich auch mit Kira und Miro. Der Pädagoge oder die Pädagogin sammelt im gemeinsamen Austausch die Ideen und Wünsche der Kinder. Mithilfe von Kira und Miro fasst er/sie die Kindersicht abschließend zusammen.

Und wie geht es weiter?

Die SEL-Basisaktivitäten bilden das Fundament. Die SEL-Aufbauaktivitäten stehen dir flexibel zur Verfügung. Mit ihnen vertiefen die Kinder ihr Wissen, üben weiter einen konstruktiven Umgang mit Gefühlen, verbessern ihre Selbstregulation, entwickeln ihre sozialen Kompetenzen, steigen tiefer ins Lernen zu lernen ein und finden als Gruppe noch besser zusammen.

Nutze die gewonnenen Erfahrungen und deinen Zuwachs an methodischer Sicherheit, um gezielt auszuwählen, was zu deiner Gruppe passt, natürlich wieder gemeinsam mit den Kindern.


Du machst den Unterschied!

Mit deiner Haltung, deinem Wissen und deinem Engagement für die Kinder wird SEL lebendig. SEL- Methoden und Materialien geben Impulse, doch erst durch dich entfalten sie ihre Wirkung, denn du begleitest Kinder dabei, sich wohl und selbstbewusst zu fühlen, sich selbst und andere besser zu verstehen, Beziehungen zu gestalten und mit Zuversicht zu wachsen.

Wir wünschen dir und den Kindern eine bereichernde Zeit, mit Hand, Herz, Kopf und viel Freude am gemeinsamen Entdecken.