Forschungsbasiertes Wissen und praxisnahe Anleitungen zum sozialen und emotionalen Lernen für Pädagog*innen: von theoretischen Grundlagen bis hin zur Umsetzung im pädagogischen Alltag.
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Du wünschst dir eine Schatzkiste voller Ideen, die deine tägliche pädagogische Arbeit bereichern und dich dabei unterstützen, die sozialen und emotionalen Kompetenzen von Kindern gezielt zu fördern? Genau das bietet EduSkills+ SEL.
Mit unseren Materialien erweiterst du dein Fachwissen praxisnah und erhältst Methoden, die sich unmittelbar in deinem pädagogischen Alltag anwenden lassen.
Das Projekt wurde im Rahmen eines ERASMUS+-Projekts von Partner*innen aus vier Ländern entwickelt. Die beteiligten Universitäten und Organisationen verfügen über umfassende Expertise im Bereich der frühkindlichen Bildung und Entwicklung. Alle pädagogischen Aktivitäten wurden von Fachkräften aus den beteiligten Kindertageseinrichtungen sorgfältig ausgewählt und erprobt.
Die Leitlinien bestehen aus sieben Kapiteln, für die jeweils etwa 45 Minuten Bearbeitungszeit eingeplant sind. Wir empfehlen, die Leitlinien Schritt für Schritt zu bearbeiten, um wertvolle Impulse und praxisnahe Anregungen für den pädagogischen Alltag zu gewinnen.
Wir wünschen dir und deinem Team Neugier, Freude und viel Erfolg mit EduSkills+ SEL!
Dein Eduskills+SEL Team
Das Recht von Kindern auf soziale und emotionale Gesundheit ist ein grundlegender Bestandteil ihrer gesamten Entwicklung. Soziale und emotionale Gesundheit umfasst die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu steuern, positive Beziehungen zu anderen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, Empathie zu empfinden und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Es ist entscheidend, dass Kinder von frühester Kindheit an die notwendige Unterstützung erhalten, um diese Fähigkeiten zu entwickeln.
Um sicherzustellen, dass Kinder ihr Recht auf soziale und emotionale Gesundheit umfassend wahrnehmen können, ist es entscheidend, dass Erwachsene – ob Eltern, Erzieher*innen oder Betreuungspersonen einen kindzentrierten Ansatz verfolgen. Das bedeutet, dass Erwachsene:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Recht von Kindern auf soziale und emotionale Gesundheit ein kontinuierliches Engagement von Erwachsenen erfordert, damit die Bedürfnisse von Kindern gehört und respektiert werden. Nur durch einen empathischen, kindzentrierten Ansatz können wir sicherstellen, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, in einer gesunden und unterstützenden Umgebung aufzuwachsen, die seine emotionale und soziale Entwicklung fördert.
Wie entstehen Emotionen? Wie kommt es vom "etwas Fühlen" zum reichen Gefühlsleben? Wie werden Emotionen ausgedrückt? Wie prägen sie unser Verhalten? Diese Fragen faszinieren. Denn Emotionen sind ein grundlegender Bestandteil unseres Alltags. Und wir wissen auch, alle fühlenden Lebewesen erleben auf ihre Weise Emotionen.
Emotionale (und in der Folge auch soziale) Intelligenz ist keine angeborene Fähigkeit. Es ist eine schwierige Aufgabe, Emotionen zu regulieren, sowie die eigenen und fremde Emotionen zu verstehen. Auch als Erwachsene fühlen wir uns von den in einer Situation aufkommenden Emotionen manchmal überfordert. Und es gelingt uns nicht immer, konstruktiv und emotional kompetent mit uns selbst und anderen umzugehen.
Weltweit beschäftigen sich Forschende aus den unterschiedlichsten Disziplinen und mit den jeweils eigenen Perspektiven der Psychologie, Soziologie und Neurobiologie mit dem Phänomen Emotionen (Goleman, 1996; Lindquist et al., 2012). Auch aus bildungstheoretischer Sicht werden Emotionen betrachtet, wie etwa im Rahmen von CASEL (Collaborative for Academic, Social, and Emotional Learning). Längst ist klar: Emotionen sind nicht bloß etwas, das wir „mit uns herumtragen“. Ihr Einfluss auf unsere Entwicklung, unser Lernen und unser Miteinander ist tiefgreifender als lange angenommen. Inzwischen hat sich diese Erkenntnis auch in der Bildungstheorie und -praxis weltweit mit zahlreichen Studien, Publikationen und Projekten etabliert, die darauf abzielen, Kinder von Anfang an in ihrer emotionalen und sozialen Kompetenzentwicklung zu begleiten.
2018 entwickelte die Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur (EAC) der Europäischen Kommission gemeinsam mit dem Joint Research Centre (JRC) einen richtungsweisenden Kompetenzrahmen: den LifeComp-Rahmen. Dieser beschreibt sich selbst als „ein Rahmenkonzept zur gemeinsamen Verständigung über die Schlüsselkompetenz ‚persönliche, soziale und Lernkompetenz‘“.
Die LifeComp-Initiator*innen betonen: “Der Rahmen ist nicht normativ, sondern bietet eine offene Grundlage zur Entwicklung von Bildungsinhalten und Lernangeboten. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr dynamisches Potenzial zu entfalten, ihre Emotionen, Gedanken und ihr Verhalten zu steuern, um ein sinnerfülltes Leben zu gestalten, Komplexität zu bewältigen, verantwortungsvoll zu handeln und reflektierte, lebenslange Lernende zu sein.”
In diesem Abschnitt untersuchen wir die Inhalte des LifeComp-Rahmens mit der wichtigen Zielsetzung, sein Potenzial für jüngere Kinder und Pädagog*innen in Kindertageseinrichtungen zu erschließen. Denn obwohl der vorhandene Referenzrahmen viele lebensphasenübergreifende Impulse bietet, geht er auf die frühkindliche Bildung bislang kaum ein. In dieser Einführung wird also der innovative Kern des LifeComp-Rahmens analysiert und mit Blick auf das EduSkills+ Projekt werden theoretisch-praktische Indikatoren identifiziert, die sich auf den Bereich der Frühpädaogogik übertragen lassen.
Mit dieser Analyse der zentralen Inhalte des Rahmens zeigen wir auf, welche Aspekte sich in der Praxis von Kindertageseinrichtungen anwenden lassen - mit einem besonderen Augenmerk darauf, Pädagog*innen neue (oder erweiterte) Methoden und Materialien als sinnvolle Werkzeuge an die Hand zu geben, um systematisch und ganzheitlich die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder zu unterstützen und zu fördern. Die Inhalte werden in Abschnitt 2.5 vertieft und weiterentwickelt.
Soziales und emotionales Lernen (SEL) beschreibt den Prozess, durch den Kinder Wissen, Haltungen und Fähigkeiten entwickeln, um Emotionen zu verstehen und zu regulieren, sich Ziele zu setzen, Empathie zu empfinden, gesunde Beziehungen aufzubauen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen (Morganti et al., 2024). Für Kinder im Vorschulalter ist SEL von zentraler Bedeutung. Soziales und emotionales Lernen legt das Fundament für schulischen Erfolg, stabile Beziehungen und ein erfülltes Leben.
„Soziales und emotionales Lernen (SEL) ist ein wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Schulfähigkeit und der gesunden Entwicklung des Kindes. Studien zeigen, dass die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen im Vorschulalter entscheidend für den langfristigen schulischen und lebenspraktischen Erfolg ist. Pädagog*innen spielen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle - und die Art und Weise, wie sie SEL im Alltag integrieren, ist entscheidend für dessen Wirksamkeit.“
Diese Aussage verweist auf drei zentrale Aspekte:
Seit über 30 Jahren erforschen Wissenschaftler*innen weltweit, wie sich SEL erfolgreich umsetzen lässt - von der konkreten Anwendung im Alltag bis hin zur Frage, wie Pädagog*innen und auch Familien bestmöglich einbezogen werden.
Denn: Die Welt des Kindes ist eine Welt der Gefühle, wie Feldman-Barrett (2017) in "How Emotions Are Made" (Wie Emotionen sich herausbilden und geformt werden) eindrucksvoll aufzeigt. Nach Barretts Auffassung sind Emotionen erfahrungsbasierte mentale Kategorien, die jeder Mensch in der Interaktion mit seiner (sozialen) Umwelt nach und nach konstruiert und mit Bedeutung versieht.
Je früher wir also gemeinsam mit Kindern und Familien, mit einem forschenden, kreativen und wertschätzenden Blick - horizontal statt hierarchisch - an SEL-Kompetenzen arbeiten, desto besser können wir Kinder dabei unterstützen, seelisch gesund aufzuwachen, und ihr Leben aktiv, mit Offenheit für alles Neue und ausreichendem Rüstzeug anzugehen.
SEL-Kompetenzen sind also ein wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Bildung, insbesondere in institutioneller Betreuung. Dabei geht es darum, Kinder dabei zu unterstützen, Fähigkeiten wie Emotionsregulation, Empathie, Kooperation und Problemlösungs-Strategien kennenzulernen und zu erwerben. Auch wenn alle Bildungsbereiche (wie beispielweise Mathematik, Spracherwerb und Vorläuferfähigkeiten zum Schriftspracherwerb) wichtig sind: die Forschung unterstreicht zunehmend die Bedeutung von SEL für die Gesamtentwicklung eines Kindes und das Ausschöpfen der angelegten individuellen Potentiale. SEL in der Kindertagesbetreuung besonders in den Blick zu nehmen ist wichtig, weil die Förderung der emotionalen und sozialen Intelligenz sich positiv auf die späteren schulischen Leistungen auswirkt, die Gruppenfähigkeiten verbessert und langfristig das Wohlbefinden fördert.
Entsprechend des LifeComp Rahmens basiert SEL auf den fünf Kernkompetenzen Selbstwahrnehmung, Selbstmanagement, soziales Bewusstsein, Beziehungsfähigkeit und verantwortungsvolle Entscheidungsfindung. Die Selbstwahrnehmung hilft Kindern dabei, ihre Emotionen zu erkennen und zu verstehen, wie diese ihr Verhalten beeinflussen. Durch Selbstmanagement erwerben sie Strategien, um ihre Emotionen zu regulieren und Impulse zu kontrollieren. Das soziale Bewusstsein fördert Empathie, indem Kinder lernen, Gefühle anderer wahrzunehmen und zu respektieren. Beziehungsfähigkeiten vermitteln ihnen Strategien einer effektiven Kommunikation und Kooperation, während verantwortungsvolle Entscheidungsfindung sie darin unterstützt, ethisch verantwortliche und konstruktive Handlungsansätze zu wählen.
Der Zeitraum, in dem Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen, umfasst eine prägende Entwicklungsphase, in der Kinder sozial-emotionale Kompetenzen erstmals bewusst entwickeln. Durch die Integration von SEL in den pädagogischen Alltag schaffen Pädagog*innen eine unterstützende Umgebung, in der Kinder lernen, ihre Emotionen zu meistern und konstruktiv mit Gleichaltrigen und Bezugspersonen zu interagieren. Wenn Kinder frühzeitig Erfahrungen mit SEL sammeln, verinnerlichen sie grundlegende Kompetenzen nachhaltig. Es wird ein Grundstein für den persönlichen, schulischen und beruflichen Erfolg gelegt. Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, die SEL im Alltag umsetzen, nutzen beispielsweise Übungen zur Emotionswahrnehmung, Atemtechniken zur Beruhigung sowie gemeinsame Gespräche über Gefühle. Kindern lernen so, ihre Gefühle besser wahrzunehmen und erwerben Werkzeuge zur Regulation emotionaler Reaktionen. Studien zeigen auch, dass Kinder mit gut entwickelten emotionalen Kompetenzen im Vergleich zu anderen tragfähige Beziehungen aufbauen, insgesamt weniger Angst empfinden und schulisch sowie beruflich erfolgreicher sind.
Obwohl SEL primär Emotionen und Beziehungen in den Blick nimmt, wirkt es sich also auch maßgeblich auf schulische Leistungen aus. Kinder, die SEL-Kompetenzen entwickeln, können sich besser konzentrieren, Anweisungen folgen und kooperativ arbeiten. Untersuchungen belegen, dass SEL-Programme auch die kognitive Entwicklung fördern, indem sie die Aufmerksamkeitsspanne, Problemlösungsfähigkeiten und exekutive Funktionen verbessern denn exekutive Funktionen wie Arbeitsgedächtnis, kognitive Flexibilität und Selbstkontrolle sind zentrale Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Es fällt Kindern, die ihre Emotionen regulieren und fokussiert bleiben können, leichter, sich am Unterricht zu beteiligen und Aufgaben abzuschließen.
Zudem trägt SEL dazu bei, Stress und Ängste abzubauen. Wenn sich Kinder emotional sicher fühlen, sind sie offener, neue Inhalte zu entdecken und Herausforderungen anzunehmen. Pädagog*innen, die SEL bewusst im Alltag einsetzen, beobachten häufig ein höheres Maß an Engagement, Motivation und seelischer Widerstandsfähigkeit bei ihren Kindern.
SEL fördert essentielle soziale Fertigkeiten wie Zusammenarbeit, aktives Zuhören und Konfliktlösung. Diese Kompetenzen sind entscheidend für den Aufbau von Beziehungen und eine positive (Lern-)Atmosphäre. Kinder im Kitaalter entwickeln gerade erst ihre Fähigkeiten zu teilen, sich abzuwechseln und ihre Bedürfnisse angemessen zu äußern. Durch SEL lernen sie effektive Kommunikationsstrategien, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und kooperativ zu handeln. Rollenspiele, Gruppengespräche und kooperative Spiele bieten Gelegenheiten, diese Fähigkeiten im Alltag zu erproben.
Junge Kinder erleben häufig Konflikte um Spielsachen, persönlichen Raum oder unterschiedliche Meinungen. SEL vermittelt ihnen Strategien, Konflikte friedlich zu lösen - mit Worten statt Aggression, unter Berücksichtigung der Gefühle anderer und der Bereitschaft zum Kompromiss. Diese frühen Lernerfahrungen in sozialen Interaktionen legen den Grundstein für starke zwischenmenschliche Fähigkeiten, von denen Kinder ein Leben lang profitieren.
Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder, deren sozial-emotionalen Fähigkeiten gezielt gefördert werden, später seltener unter Angstzuständen, Depressionen und Verhaltensproblemen leiden. Sie entwickeln emotionale Resilienz, lernen, mit Stress umzugehen, Selbstvertrauen aufzubauen und eine positive Einstellung zu bewahren. Sie empfinden Zugehörigkeitsgefühl und Selbstwert. Eine frühzeitige SEL-Förderung kann also als schützender Faktor wirken.
Darüber hinaus trägt SEL zu positiven Lebensverläufen bei: höhere schulische Leistungen, beruflicher Erfolg und allgemeine Lebenszufriedenheit sind eng damit verbunden. Arbeitgeber legen zunehmend Wert auf emotionale Intelligenz und soziale Kompetenzen, sodass SEL auch ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung auf das Berufsleben ist.
Trotz der unbestreitbaren Vorteile des SEL-Ansatzes, gibt es Herausforderungen bei der Integration von SEL in der Kita-Praxis. Ein Hindernis ist das Fehlen standardisierter SEL-Programme in der Praxis. In Ausbildungsinstituten und Hochschulen finden sich sehr unterschiedliche und manchmal nicht ausreichende Formen der Vermittlung der Inhalte. Der Fokus auf SEL geht nicht zulasten der MINT-Fächer. Studien belegen allerdings: SEL fördert das Lernen, indem es eine unterstützende und anregende Lernumgebung schafft.
Für eine erfolgreiche Umsetzung benötigen Kitas strukturierte Programme, Fortbildungen für Pädagog*innen und Anregungen für eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Kinder profitieren am meisten, wenn SEL-Prinzipien auch zu Hause gelebt werden. Kitas sollten Wege eröffnen, um Eltern in die SEL-Strategien einzuführen, zu sensibilisieren und zu aktivieren.
Soziale und emotionale Lernerfahrungen im Kindergarten sind essentiell für die emotionale Intelligenz, den schulischen und beruflichen Erfolg und das ganzheitliche Wohlbefinden. Mit SEL erwerben Kinder wichtige Kompetenzen der Selbstregulation, der sozialen Interaktion und des verantwortungsvollen Handelns. Pädagog*innen und Eltern fördern die Entwicklung der Kinder, indem sie in der Kindertagesbetreuung SEL-Anregungen und Programme umsetzen, und die Entwicklung von grundlegenden Fähigkeiten für ein glückliches und produktives Leben unterstützen.
Kinder im Kindergartenalter beginnen gerade erst, ihre Emotionen zu erkennen, zu verstehen und zu benennen. Diese Lebensphase stellt eine besonders wichtige Entwicklungszeit dar: „[…] eine entscheidende Phase für die Ausbildung grundlegender sozial-emotionaler Kompetenzen, die die Basis für spätere soziale und emotionale Fähigkeiten bildet“ (Bierman, 2015). Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr machen Kinder einen grundlegenden Wandel durch - weg von impulsivem, ich-bezogenem Verhalten hin zu mehr sozialer Orientierung, Verantwortungsbewusstsein und echtem Interesse an anderen (Bierman, 2015).
Strategien des Sozialen und Emotionalen Lernens (SEL) können Kinder dabei unterstützen, Gefühle wie Freude, Wut, Traurigkeit oder Frustration wahrzunehmen, richtig einzuordnen und zu benennen (Feldman-Barrett, 2017). Die Förderung der emotionalen Intelligenz von Kindern ist zentral: Sie hilft ihnen nicht nur, ihre Gefühle besser zu regulieren und emotionale Ausbrüche oder unangemessenes Verhalten zu vermeiden, sondern auch, die Wirkung ihrer Emotionen auf zwischenmenschliche Beziehungen zu verstehen, sei es im Umgang mit Gleichaltrigen oder Erwachsenen. Kinder, die über ausgeprägte SEL-Kompetenzen verfügen, können ihre Gefühle ausdrücken, Impulse kontrollieren und Bedürfnisse aufschieben sowie Konflikte konstruktiv lösen. Diese sozialen Fähigkeiten sind eine wichtige Grundlage für das Knüpfen von Freundschaften und das Entstehen von positiven, vertrauensvollen Beziehungen, sowohl zu anderen Kindern als auch zu pädagogischen Fachkräften.
Langfristig fördern SEL-Kompetenzen die Entwicklung von starken persönlichen sowie sozialen Fähigkeiten, die nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern für das gesamte Leben bedeutsam sind.
Empathie ist ein vielschichtiger Begriff, heutzutage beinahe ein Modewort.
Baron-Cohen (2018) beschreibt Empathie als die Fähigkeit und das innere Bestreben, die Gedanken und Gefühle eines anderen Menschen wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren. Empathie bedeutet auch, das Gegenüber als eigenständige Person zu erkennen - mit Bedürfnissen, Würde, Wünschen und Emotionen. Es geht also nicht nur darum, mitzufühlen, sondern um eine ganze Reihe fein abgestimmter sozial-emotionaler Fähigkeiten.
Durch gezielte Aktivitäten im Rahmen von SEL können Kinder lernen, sich in andere hineinzuversetzen, unterschiedliche Perspektiven nachzuvollziehen und Mitgefühl zu zeigen. Gleichzeitig erwerben sie wichtige Kompetenzen, um mit anderen respektvoll und wertschätzend umzugehen. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten fördert nicht nur das kooperative Spiel mit anderen Kindern, sondern verringert auch dysfunktionales Verhalten. Die Förderung von Empathie in der frühen Kindheit, etwa durch Übungen, die die Wahrnehmung und das Verständnis von „Anderssein“ stärken, schafft die Grundlage für ein tieferes Verständnis von Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit. Sie bereitet sie darauf vor, anderen offen, kooperativ und respektvoll zu begegnen.
Selbstregulation bedeutet, Impulse kontrollieren zu können, mit Stress umzugehen und die Aufmerksamkeit gezielt auf Aufgaben zu richten. Ansätze aus dem sozialen und emotionalen Lernen (SEL) bieten dabei kindgerechte Wege, um die Fähigkeiten zu fördern. Kinder können im Alltag wichtige Strategien kennenlernen, ausprobieren, üben und verinnerlichen beispielsweise tief durchzuatmen, um sich zu beruhigen.
Wie Bodrova und Leong (2008) formulieren: „Selbstregulation hat zwei Seiten: Zum einen geht es darum, Impulse zu kontrollieren und mit etwas aufzuhören, wenn es erforderlich ist, etwa wenn ein Kind dem Impuls widersteht, die Antwort herauszurufen, obwohl die Lehrkraft gerade ein anderes Kind fragt. Zum anderen geht es darum, etwas zu tun (auch wenn man es nicht möchte), weil es notwendig ist, zum Beispiel zu warten, bis man an der Reihe ist, oder die Hand zu heben. Kinder mit entwickelter Selbstregulation können Belohnungen aufschieben, ihre unmittelbaren Impulse zügeln und über mögliche Konsequenzen nachdenken oder Alternativen abwägen. Viele Kinder wissen, dass sie „mit Worten statt mit Fäusten“ reagieren sollen, aber nur diejenigen, die Selbstregulation gelernt haben, sind tatsächlich dazu in der Lage.“ (S.1)
Selbstregulation bedeutet, sich der eigenen Gefühle und Reaktionen bewusst zu sein und dann gezielt Strategien anzuwenden, um sich zu beruhigen, Probleme zu lösen oder das eigene Verhalten anzupassen. Diese Fähigkeit ist entscheidend dafür, überlegt zu handeln und konstruktiv mit anderen umzugehen. Kinder, die gelernt haben, sich selbst zu regulieren, sind besser darauf vorbereitet, mit herausfordernden Situationen wie Frustration im Spiel oder Konflikten mit Gleichaltrigen umzugehen. Wenn Vorschulkinder ihre Gefühle steuern, kooperieren und durchdacht handeln können, sind sie konzentrierter und aufnahmefähiger, also auch bereit zum Lernen. SEL stärkt dabei nicht nur die emotionale Stabilität, sondern auch Selbstvertrauen und Motivation. Selbstregulation ist eine Schlüsselfähigkeit, die das emotionale, soziale und kognitive Wohlbefinden stärkt und damit den Grundstein für langfristigen Lernerfolg und persönliche Entwicklung legt.
Selbstregulation zeigt sich zum Beispiel darin, dass Kinder:
Selbstregulation ist für Kinder von zentraler Bedeutung, da sie die Grundlage für eine gesunde emotionale, soziale und kognitive Entwicklung bildet. Wenn Kinder über gute Selbstregulationsfähigkeiten verfügen, können sie:
Insgesamt ist Selbstregulation eine zentrale Fähigkeit, die das allgemeine Wohlbefinden eines Kindes unterstützt und den Grundstein für lebenslangen Erfolg legt.
SEL ermutigt Kinder, kritisch zu denken und Probleme zu lösen, Fähigkeiten, die besonders wichtig sind, um sich in sozialen Situationen zurechtzufinden. Wenn Kinder im Vorschulalter beim Spielen in eine Konflikt geraten, helfen SEL-Strategien dabei, mit diesen umzugehen, indem sie sich abwechseln, Kompromisse eingehen oder eine erwachsene Person um Hilfe bitten. Problemlösungsfähigkeiten sind im Kindergartenalter besonders wichtig, da sie die Grundlage für späteres kritisches Denken, Selbstständigkeit und Resilienz legen.
Problemlösungskompetenzen sind wichtig!
Indem Problemlösen gezielt im Alltag gefördert wird, erwerben Kinder also Kompetenzen, die weit über den Kindergarten hinaus wirken: für schulischen Erfolg, soziale Stabilität und persönliche Entwicklung.
Zahlreiche aussagekräftige Studien zeigen, dass die psychische Gesundheit von Vorschulkindern eng mit frühen Bildungserfahrungen verbunden ist. Insbesondere sozial-emotionale Kompetenzen stehen in engem Zusammenhang mit Schulfähigkeit, also mit frühen Fähigkeiten in den Bereichen Sprache oder Mathematik. Dieser Zusammenhang bleibt auch dann bestehen, wenn Faktoren wie kognitive Fähigkeiten oder familiärer Hintergrund berücksichtigt werden. Umgekehrt gilt: Kinder, denen entwicklungsentsprechende sozial-emotionale Fähigkeiten fehlen, beteiligen sich dann in der Schule häufig seltener aktiv am Unterricht, zeigen geringere Lernmotivation und haben größere Schwierigkeiten, grundlegende Aufgaben zu bewältigen. Auffällig ist dabei, dass insbesondere Jungen in entsprechenden Einschätzungen häufiger niedrigere Werte erreichen, ein Risiko, das sich über die Grundschulzeit hinweg bis in die weiterführende Schule verstärken und im schlimmsten Fall in Schulvermeidung oder Schulabbruch münden kann. Frühe Förderung der psychischen Gesundheit durch gezielte Entwicklung sozial-emotionaler Fähigkeiten ist daher ein wichtiger präventiver Ansatz: Sie steigert nicht nur das Wohlbefinden der Kinder, sondern verbessert auch nachweislich ihre Lernleistungen (Conte et al., 2023).
Die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen bei Kindern ist entscheidend, um eine stabile Grundlage für ihre psychische Gesundheit zu schaffen. Zu diesen Fähigkeiten gehören der Umgang mit eigenen Gefühlen, der Aufbau und Erhalt positiver Beziehungen sowie das Treffen verantwortungsvoller Entscheidungen. Wenn Kinder lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen und auszudrücken, entwickeln sie ein stärkeres Selbstbewusstsein und werden zunehmend fähig, ihre emotionalen Reaktionen zu regulieren. Diese Fähigkeit zur Selbstregulation ist zentral, um Ängste und Stress zu reduzieren.
Darüber hinaus sind Kinder, die sozial-emotionale Kompetenzen wie Empathie, Kooperationsfähigkeit und klare Kommunikation entwickeln, besser in der Lage, tragfähige und bedeutsame Beziehungen zu Gleichaltrigen und Erwachsenen aufzubauen. Diese positiven sozialen Bindungen wirken wie ein Schutzschild gegenüber psychischen Belastungen: Sie bieten Kindern ein verlässliches, unterstützendes Netzwerk, auf das sie in schwierigen Situationen zurückgreifen können.
Die Integration von SEL in die frühe Bildung fördert nicht nur die emotionale Intelligenz, sondern auch ein positives Selbstbild und Selbstwertgefühl, prosoziales Verhalten und eine positive Haltung zum Lernen und zum Umgang mit anderen. Das durch SEL geschaffene unterstützende Lernumfeld trägt wesentlich zum psychischen Wohlbefinden junger Kinder bei und bereitet sie darauf vor, zukünftige Herausforderungen mit Resilienz und Selbstvertrauen zu meistern. Die Integration von SEL in die frühkindliche Bildung ist ein präventiver und förderlicher Ansatz zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Sie gibt Kindern Werkzeuge an die Hand, um sich emotional und sozial gut zu entwickeln.
Die Integration von SEL in die frühkindliche Bildung ist ein präventiver und förderlicher Ansatz zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Sie gibt Kindern Werkzeuge an die Hand, um emotional und sozial zu wachsen.
Während der Vorschuljahre erfolgt die soziale und emotionale Entwicklung schnell und beeinflusst das Verhalten der Kinder erheblich. Die Verbesserung sozial-emotionaler Fähigkeiten im frühen Kindesalter trägt zur erfolgreicheren Entwicklung kognitiver und sozialer Fähigkeiten bei. Prosoziales Verhalten ist wesentlich für die Akzeptanz durch Gleichaltrige sowie für den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Beziehungen. Kinder mit höherer sozial-emotionaler Kompetenz im Vorschulalter neigen eher dazu, zu Beginn der Schulzeit positive Beziehungen zu Eltern und Lehrkräften aufzubauen und aufrechtzuerhalten sowie positive Interaktionen mit Gleichaltrigen zu haben. Höhere sozial-emotionale Kompetenz wird auch mit einem geringeren Auftreten von Verhaltens- und emotionalen Problemen in Verbindung gebracht. Es gibt umfangreiche Belege dafür, dass geringe sozial-emotionale Kompetenz mit dem Auftreten problematischen Verhaltens, emotionaler Schwierigkeiten und Beziehungsproblemen verbunden ist. Kinder, die selten prosoziales Verhalten zeigen, neigen dazu, verschiedene Verhaltensprobleme wie Aggression zu zeigen und können in Bildungseinrichtungen auch auf Ablehnung durch Gleichaltrige stoßen (Martisone et al., 2022). Darüber hinaus besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Hyperaktivität im Vorschulalter und späteren Verhaltensproblemen in der Schule. Aggressives und oppositionelles Verhalten im Vorschulalter, das häufig aus einer schlechten Verhaltensselbstregulation resultiert, wird mit emotionaler Instabilität, verringerten sozialen Fähigkeiten, schlechterer schulischer Leistung und geringerer Beteiligung am Lernprozess in Verbindung gebracht (Martisone et al., 2022).
Wenn Vorschulkinder SEL-Fähigkeiten erlernen, zeigen sie seltener Verhalten wie Aggression, Trotz oder Rückzug. Kinder mit guten sozial-emotionalen Fähigkeiten können ihre Emotionen auf angemessene Weise steuern, was die Wahrscheinlichkeit von Wutausbrüchen oder Konflikten verringert. Dies führt zu einem harmonischeren sozialen Umfeld, in dem sich individuelle und gemeinsame Lernprozesse entfalten können.
Unterstützt Vorschulkinder bei der Emotionsregulation
Viele Verhaltensprobleme im Vorschulalter entstehen, weil Kinder noch nicht gelernt haben, mit großen Gefühlen wie Frustration, Wut oder Enttäuschung umzugehen. Soziales und emotionales Lernen (SEL) hilft Kindern:
Durch die Förderung der Emotionsregulation trägt SEL dazu bei, Wutausbrüche, impulsives Verhalten und emotionale Überforderungen deutlich zu verringern.
Vermittelt Vorschulkindern friedliche Konfliktlösung
Vorschulkinder tun sich häufig schwer damit, zu teilen, sich abzuwechseln oder Streitigkeiten mit anderen Kindern zu lösen. Durch SEL lernen sie:
Dies trägt dazu bei, Aggressionen, Streit und soziale Schwierigkeiten sowohl in der Kita als auch zu Hause zu verringern.
Fördert Empathie und soziales Bewusstsein
Ein wichtiger Bestandteil des sozialen und emotionalen Lernens (SEL) ist es, Vorschulkindern zu helfen, die Gefühle anderer zu verstehen und Mitgefühl zu entwickeln. Wenn Kinder Empathie aufbauen, zeigen sie seltener:
Indem Pädagog*innen Vorschulkindern beibringen, Emotionen bei anderen zu erkennen (z.B. „Wie glaubst du, fühlt sich dein Freund, wenn du ihm das Spielzeug wegnimmst?“), fördern sie Freundlichkeit, Zusammenarbeit und respektvollen Umgang unter Gleichaltrigen.
Fördert Selbstkontrolle und reduziert Impulsivität
Kindergartenkinder sind von Natur aus impulsiv, weil sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung von Selbstregulationsfähigkeiten befindet. Soziale und emotionale Lernprozesse (SEL) helfen ihnen:
Wenn Vorschulkinder Selbstkontrolle lernen, zeigen sie weniger häufig Verhaltensweisen wie Schlagen, Beißen oder Trotzreaktionen.
Schafft eine positive und unterstützende Lernumgebung
Wenn soziales und emotionales Lernen (SEL) in den Kita-Alltag oder die häuslichen Routinen integriert wird, fördert das ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit. Dadurch werden Verhaltensprobleme verhindert, indem:
Eine unterstützende Umgebung sorgt dafür, dass die Kinder den Erwachsenen vertrauen, sich sicher fühlen, ihre Gefühle auszudrücken und sich positiv mit ihren Peers auseinandersetzen.
Unterstützt Vorschulkinder bei der Entwicklung einer Wachstumsorientierung
Soziales und emotionales Lernen (SEL) vermittelt Vorschulkindern, dass Fehler zu machen in Ordnung ist, und dass sie aus Herausforderungen lernen können. Diese Einstellung hilft ihnen dabei:
Indem SEL Frustration und Entmutigung verringert, beugt es Vermeidungsverhalten (wie Aufgeben) und oppositionellem Verhalten (wie dem Verweigern von Anweisungen) vor.
Stress und Ängste abbauen
Trennungsangst, Schüchternheit oder Unsicherheit in neuen Situationen sind typische Belastungen im Vorschulalter. Soziales und emotionales Lernen (SEL) gibt Kindern Werkzeuge an die Hand, wie zum Beispiel:
Das Ergebnis sind weniger Rückzug, Ängstlichkeit und klammerndes Verhalten.
Bereitet Vorschulkinder auf die Schule und darüber hinaus vor
Frühe Erfahrungen mit sozialem und emotionalem Lernen (SEL) unterstützen Kinder dabei, sich selbstbewusst auf neue Umgebungen einzustellen. Kinder, die starke SEL-Fähigkeiten entwickeln, können in der Regel:
Diese frühe Grundlage beugt langfristigen Verhaltensproblemen vor und sorgt dafür, dass Kinder gut vorbereitet in den Kindergarten starten - lernbereit, sozial kompetent und erfolgreich.
Soziales und emotionales Lernen (SEL) ist ein wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Bildung. Es vermittelt Kindergartenkindern die Werkzeuge, die sie benötigen, um ihre Gefühle zu verstehen und zu steuern, positiv mit anderen zu interagieren und wichtige Lebenskompetenzen wie Empathie, Selbstregulation und Problemlösung zu entwickeln. Diese frühen Erfahrungen mit SEL legen den Grundstein für stabile Beziehungen und psychisches Wohlbefinden und bilden eine Basis, die das Wachstum des Kindes zu einem ausgeglichenen, widerstandsfähigen Erwachsenen unterstützt. Die Umsetzung von SEL in Kindertagesstätten ist daher entscheidend, um die ganzheitliche Entwicklung der Kinder zu fördern.
Wie bereits in den vorherigen Abschnitten ausführlich dargestellt, ist soziales und emotionales Lernen (SEL) ein wesentlicher Bestandteil der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Kindergarten, wo Kinder beginnen, grundlegende zwischenmenschliche und emotionale Fähigkeiten zu entwickeln. SEL fördert Selbstwahrnehmung, Selbstregulation, soziales Bewusstsein, Beziehungsfähigkeit und verantwortungsbewusste Entscheidungsfindung. Die erfolgreiche Integration von SEL im pädagogischen Konzept erfordert strukturierte Strategien, die auf die Entwicklungsbedürfnisse der jungen Lernenden zugeschnitten sind. Dieser Text untersucht umfassende Ansätze zur Einbindung von SEL in die Kindergartenpädagogik, darunter explizite Unterrichtseinheiten, Vorbildverhalten der Erzieher*innen, Gestaltung der Lernumgebung, spielerisches Lernen, Einbindung von Eltern und Gemeinschaft, den Einsatz von Technologie, Differenzierung für unterschiedliche Lernvoraussetzungen, politische und administrative Unterstützung sowie kontinuierliche Evaluation.
Eine Form des sozial-emotionalen Lernens (SEL) in den Kindergartenalltag ist die Förderung emotionaler Kompetenzen direkt und systematisch durch strukturierte Aktivitäten. Pädagogische Fachkräfte nutzen dabei Methoden wie Geschichten, Rollenspiele und angeleitete Gespräche, um Kindern dabei zu helfen, Gefühle zu erkennen, Empathie zu entwickeln und angemessene soziale Verhaltensweisen einzuüben. Strukturierte SEL-Programme wie das Second Step Curriculum oder PATHS (Promoting Alternative Thinking Strategies) bieten altersgerechte Unterrichtseinheiten speziell für junge Kinder. Diese Programme arbeiten mit anschaulichen Materialien, interaktiven Lernformen und gezielten Wiederholungen, um Kindern dabei zu helfen, Emotionen zu benennen und zu regulieren, Konflikte konstruktiv zu lösen und soziale Fähigkeiten aufzubauen. Dieses Heranführen über aufeinander abgestimmte Aktivitäten stellt sicher, dass Kinder die notwendigen sozial-emotionalen Kompetenzen systematisch erwerben.
Erzieher*innen spielen eine entscheidende Rolle als Vorbilder für SEL-Verhalten. Kinder lernen soziale und emotionale Kompetenzen durch Beobachtung, und wenn Erzieher*innen Empathie, Geduld, aktives Zuhören und respektvolle Kommunikation vorleben, übernehmen die Kinder diese Verhaltensweisen eher. Ein unterstützendes Kita-Klima trägt zusätzlich zur Förderung von SEL bei. Eine strukturierte Umgebung vermittelt Sicherheit und Zugehörigkeit. Erzieher*innen sollten Freundlichkeit, Inklusivität und Respekt betonen und so eine Kultur schaffen, in der sich die Kinder wertgeschätzt und verstanden fühlen. Morgenkreise und Stuhlkreise bieten den Kindern die Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken, über ihre Erlebnisse nachzudenken und sich sinnvoll mit Gleichaltrigen auszutauschen. Diese strukturierten Momente der Verbindung stärken die sozialen und emotionalen Fähigkeiten der Kinder und fördern ein positives Gruppenklima.
Spiel ist ein wirkungsvolles Werkzeug zur Förderung des sozialen und emotionalen Lernens (SEL) bei kleinen Kindern. Sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Spielangebote ermöglichen den Kindern, wichtige SEL-Fähigkeiten wie Kommunikation, Emotionsregulation, Konfliktlösung und Teamarbeit zu üben. Rollenspielbereiche regen zum Nachspielen verschiedener Rollen und zur Perspektivenübernahme an, sodass Kinder unterschiedliche Sichtweisen verstehen und Empathie entwickeln können. Kooperative Brettspiele fördern Geduld, das Einhalten von Regeln und Problemlösefähigkeiten. Aktivitäten im Freien und Gruppenspiele stärken die Zusammenarbeit und Konfliktbewältigung. Durch spielerisches Lernen entwickeln Kinder ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen auf eine ansprechende und natürliche Weise.
Die Umsetzung von sozialem und emotionalem Lernen (SEL) geht über den Kindergarten hinaus. Die Einbindung von Eltern und der Gemeinschaft stärkt die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder. Kitas können Workshops anbieten, um Eltern über SEL-Strategien zu informieren und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie diese Fähigkeiten zu Hause fördern können. Einfache Familienaktivitäten wie Gefühls-Scharaden, Geschichten erzählen und Dankbarkeits-Tagebücher helfen den Kindern, SEL-Konzepte im Alltag zu verinnerlichen. Die Einbindung der Gemeinschaft, beispielsweise durch Gastsprecher, Mentorenprogramme und lokale Partnerschaften, bringt den Kindern positive Vorbilder näher, die starke SEL-Verhaltensweisen vorleben. Außerunterrichtliche SEL-Angebote, wie Achtsamkeitsprogramme und kooperative Sportarten, unterstützen die ganzheitliche Entwicklung der Kinder zusätzlich und sorgen dafür, dass sie in verschiedenen Lebensbereichen eine konstante Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen erfahren.
Der Einsatz digitaler Medien kann SEL-Unterricht bereichern und das Engagement der Kinder steigern. Digitale Werkzeuge wie Lern-Apps, interaktive Spiele und Video-Geschichten eröffnen neue Wege zur Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen. Anwendungen wie "ClassDojo" oder "Smiling Mind" bieten Achtsamkeitsübungen, Emotionsregulationstechniken und kooperative Herausforderungen. Digitale Plattformen ermöglichen zudem selbstgesteuertes Lernen und Reflexion über Emotionen und Verhalten. Erzieher*innen können Videos und digitale Geschichten nutzen, um reale SEL-Situationen zu veranschaulichen und anschließend in der Gruppe zu reflektieren. Bei sinnvoller Nutzung kann Technologie traditionelle SEL-Ansätze wirkungsvoll ergänzen.
SEL-Programme sollten flexibel gestaltet sein, um den vielfältigen Bedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden. Differenzierung stellt sicher, dass Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Hintergründen und Lernstilen sinnvoll mit SEL-Inhalten arbeiten können. Für Kinder mit besonderen Förderbedarfen kann eine individuelle SEL-Förderung durch visuelle Hilfen, soziale Geschichten und persönliche Begleitung erfolgen. Erzieher*innen können sensorische Materialien und strukturierte Routinen einsetzen, um Kinder zu unterstützen, die zusätzliche Hilfe bei der Emotionsregulation und im sozialen Miteinander benötigen. Kulturelle Inklusivität ist dabei ebenfalls entscheidend. SEL-Materialien sollten unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Perspektiven abbilden, damit sich alle Kinder repräsentiert und respektiert fühlen. Mehrsprachige Materialien und kulturell sensible Lehransätze helfen, Brücken zu bauen und eine inklusive SEL-Umgebung zu schaffen.
Die erfolgreiche Umsetzung von sozialem und emotionalem Lernen (SEL) im Kindergarten erfordert eine starke Unterstützung durch Verwaltung und politische Rahmenbedingungen. Kitas sollten Zeit und Ressourcen für SEL-Schulungen und Weiterentwicklung bereitstellen, damit Erzieher*innen kontinuierliche fachliche Fortbildungen erhalten. Die Leitungskräfte sollten SEL in die pädagogischen Konzepte integrieren und dessen Bedeutung neben den fachlichen Inhalten hervorheben. Die Planung von fest eingeplanten SEL-Zeiten im Tagesablauf, der Zugang zu evidenzbasierten SEL-Programmen sowie die Einbindung von SEL-Kompetenzen in das verhaltensbezogene Gesamtkonzept der Einrichtung können die Umsetzung nachhaltig stärken. Die Zusammenarbeit zwischen Trägern, politischen Entscheidungsträgern und Bildungsforschenden unterstützt die Weiterentwicklung von SEL-Rahmenplänen und sorgt dafür, dass diese den Entwicklungsstandards und bewährten Methoden entsprechen.
Die Bewertung des Fortschritts im sozialen und emotionalen Lernen (SEL) ist entscheidend, um die Wirksamkeit von Aktivitäten zu überprüfen und notwendige Anpassungen vorzunehmen. Im Gegensatz zu traditionellen schulischen Fächern erfordert die SEL-Evaluation vielfältige Methoden, darunter Beobachtungen durch Erzieher*innen, Selbstreflexion der Kinder und Rückmeldungen von Gleichaltrigen. Erzieher*innen können anekdotische Aufzeichnungen, Checklisten und Portfolios nutzen, um die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen zu dokumentieren. Selbstbewertungsinstrumente wie Gefühls-Tagebücher oder Stimmungsbarometer helfen den Kindern, ihre Emotionen und sozialen Interaktionen zu reflektieren. Regelmäßige Fortbildungen stellen sicher, dass Fachkräfte über effektive SEL-Strategien und Bewertungstechniken auf dem Laufenden bleiben. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse, basierend auf Daten und Rückmeldungen, fördern den langfristigen Erfolg von SEL-Initiativen.
Soziales und emotionales Lernen (SEL) kann in den Kita-Alltag eingebunden werden. Durch die Integration von SEL-Praktiken in routinemäßige Situationen wie den Morgenkreis, das Vorlesen, Übergänge oder Mahlzeiten können Erzieher*innen soziale und emotionale Kompetenzen im Tagesverlauf fördern. Zum Beispiel:
Für eine wirksame SEL-Umsetzung benötigen Pädagog*innen fundierte Aus- und Weiterbildungen. Regelmäßige Fortbildungen vermitteln:
Die Umsetzung von sozialem und emotionalem Lernen (SEL) im Kindergarten erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Dazu gehören: explizite Anleitung, die Integration in Bildungsinhalte, das Vorbildverhalten der Fachkräfte, ein unterstützendes Gruppenklima, spielerisches Lernen, die Einbindung der Eltern, der gezielte Einsatz von Technologie, Differenzierung für verschiedene Bedürfnisse, politische und institutionelle Unterstützung sowie kontinuierliche Beobachtung und Evaluation. Diese Strategien fördern gemeinsam die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder und bereiten sie auf schulischen wie persönlichen Erfolg vor. Mit der zunehmenden Anerkennung der Bedeutung von SEL sind pädagogische Fachkräfte und Entscheidungsträger gefordert, die Umsetzung kontinuierlich weiterzuentwickeln und auszuweiten, damit alle Kinder die nötigen Kompetenzen erwerben, um soziale und emotionale Herausforderungen sicher und gestärkt zu meistern.
Der europäische LifeComp-Rahmen bietet einen strukturierten Ansatz zur Förderung personaler, sozialer und lernbezogener Kompetenzen für das lebenslange Lernen. Allerdings richtet sich dieser Rahmen vor allem an ältere Kinder und Erwachsene und berücksichtigt die grundlegenden sozial-emotionalen Bedürfnisse von Kindergartenkindern bisher nur unzureichend. Dieser Abschnitt argumentiert, dass LifeComp so angepasst werden sollte, dass gezielt die frühkindliche Entwicklung berücksichtigt wird. Er untersucht, wie die Integration von sozial-emotionalem Lernen (SEL) in dieser Phase das lebenslange Wohlbefinden, die Bildungswege und den sozialen Zusammenhalt deutlich positiv beeinflussen kann.
Der LifeComp-Rahmen wurde entwickelt, um die persönliche, soziale und lernbezogene Entwicklung in unterschiedlichen Bildungs- und Berufskontexten zu fördern. So umfassend er auch ist, berücksichtigt er die spezifischen Entwicklungsbedürfnisse junger Kinder, insbesondere im Kindergartenalter, bislang nicht ausreichend. Forschung in der Frühpädagogik (Early Childhood Education, ECE) zeigt jedoch deutlich, wie wichtig sozial-emotionales Lernen (SEL) für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung ist. Früh ansetzende SEL-Interventionen wirken langfristig positiv auf schulische Leistungen, psychische Gesundheit und soziale Beziehungen. Wir argumentieren daher, dass LifeComp um SEL für Kinder im Kindergartenalter ergänzt werden sollte, um tragfähige Grundlagenkompetenzen von Anfang an aufzubauen.
LifeComp ist in drei Hauptbereiche gegliedert: personale, soziale und lernbezogene Kompetenzen. Diese Bereiche sind zwar für verschiedene Altersgruppen relevant, doch fehlen ihnen die spezifischen Inhalte, die auf die Bedürfnisse von Vorschulkindern zugeschnitten sind. Der Rahmen legt den Schwerpunkt auf Anpassungsfähigkeit, Resilienz und kritisches Denken, hebt jedoch nicht ausdrücklich die emotionale Selbstregulation, die frühe Entwicklung von Empathie und grundlegende soziale Fähigkeiten hervor, Aspekte, die für Kinder im Kindergartenalter besonders wichtig sind.
Anpassung der LifeComp-Kompetenzen
Pädagogische Handlungsansätze
Der personale Bereich des LifeComp-Modells legt den Fokus auf Selbstwahrnehmung, emotionale Regulation und Resilienz. Für Kinder bedeutet das, ihnen dabei zu helfen, ein gesundes Selbstbild, Selbstvertrauen und emotionale Intelligenz aufzubauen.
Der Bereich der sozialen Kompetenzen zielt darauf ab, das Verständnis für andere Menschen, Einfühlungsvermögen und eine respektvolle Kommunikation zu fördern, grundlegende Fähigkeiten, die Kindern helfen, sich sicher und selbstbewusst in sozialen Gruppen zu bewegen.
Der Kompetenzbereich „Lernen zu lernen“ betont, wie wichtig Selbststeuerung, Zielorientierung und eine positive Haltung gegenüber Herausforderungen sind. In der frühen Kindheit bedeutet das, Kinder dabei zu begleiten, dranzubleiben, sich selbst zu motivieren und aus Fehlern zu lernen.
Die kindgerechte Umsetzung des LifeComp-Rahmens gelingt nur in einer Umgebung, die gezielt die persönliche, soziale und emotionale Entwicklung der Kinder fördert. Eine solche Atmosphäre ist geprägt von Sicherheit, Vertrauen und Zugehörigkeit.
Der LifeComp-Rahmen betont Selbstreflexion und Selbsteinschätzung im lebenslangen Lernen. Für den Kita-Bereich bedeutet das: Beobachtungs- und Evaluationsmethoden müssen altersgerecht und entwicklungsangemessen gestaltet sein.
Damit der LifeComp-Rahmen wirksam im Kita-Alltag umgesetzt werden kann, benötigen pädagogische Fachkräfte fundiertes Wissen über frühkindliche Entwicklung und über die Praxis des sozial-emotionalen Lernens (SEL). Die kontinuierliche fachliche Weiterbildung gewährleistet, dass aktuelle und entwicklungsförderliche Methoden und Materialien genutzt werden, um Kinder gezielt und nachhaltig in ihrer Kompetenzentwicklung zu begleiten.
Obwohl viele Kitas die Bedeutung von SEL anerkennen, wird die Begleitung sozial-emotionaler Bildungsprozesse häufig als mitlaufend im Alltag gestaltet (ohne die tatsächliche Wirksamkeit des pädagogischen Handelns zu evaluieren) oder nur in kleinen Sequenzen umgesetzt, beispielsweise in wöchentlichen Einzelaktionen statt SEL in alle Lernprozesse zu integrieren. Gerade junge Kinder lernen vor allem durch Interaktion, Beobachtung und Spiel im Alltag. Deshalb ist ein ganzheitlicher Zugang entscheidend. Soziales und emotionales Lernen (SEL) ist ein strukturierter, aber zugleich flexibler Ansatz, um Kindern wichtige Lebenskompetenzen zu vermitteln: Gefühle wahrnehmen und steuern, positive Ziele setzen, Empathie zeigen, Beziehungen aufbauen und verantwortungsvoll handeln. Studien zeigen, dass Kinder, die schon früh an SEL-Programmen teilnehmen, langfristig bessere schulische Leistungen erzielen, ein stärkeres Selbstwertgefühl aufbauen und psychisch stabiler sind!
Das Nutzen strukturierter Lerneinheiten für das sozial-emotionale Lernen hat nur begrenzte Wirkung. Soziale und emotionale Kompetenzen entstehen nicht isoliert, sondern durch und im ständigen Zusammenspiel mit anderen Menschen und der Umgebung. Wenn SEL nur als einzelne Stunde angeboten wird und nicht als fester Bestandteil des Kita-Alltags gelebt wird, verliert es an Wirksamkeit.
Ein Hauptproblem ist die Zersplitterung des Lernens. Kinder lernen am besten durch Wiederholung, Konstanz und das Anwenden in echten Situationen. Wenn beispielsweise Emotionsregulation nur in einer einzelnen Unterrichtseinheit behandelt wird, gelingt der Transfer in den Alltag, zum Beispiel bei Konflikten im Spiel, oft nicht. Soziales und emotionales Lernen (SEL) muss deshalb über den ganzen Tagesablauf verteilt möglich sein: beim Spielen, Zuhören, in Gruppenaktivitäten und im Kontakt mit den pädagogischen Fachkräften.
Ein weiterer Nachteil eines isolierten Ansatzes ist der fehlende Bezug zur Wirklichkeit. Empathie, Kooperation und Selbstregulation lassen sich nicht abstrakt lernen, sie werden durch Handeln, Nachahmen und Begleitung in echten Situationen erfahrbar. Die wirklichen SEL-Momente entstehen oft ganz spontan: wenn ein Kind ein Spielzeug teilt, ein anderes tröstet oder um seinen Platz verhandelt. Solche Situationen bewusst aufzugreifen und pädagogisch zu begleiten, ist weitaus wirksamer als das Angebot von themenbezogenen Einzelaktivitäten.
Auch die künstliche Trennung von SEL und anderen Lernbereichen ist problematisch. Emotionale Entwicklung hängt eng mit kognitivem Lernen zusammen: Ein Kind, das beim Rechnen frustriert ist, braucht Durchhaltevermögen. Ein Gruppenprojekt erfordert Zusammenarbeit, Kommunikation und Geduld. Geschichten im Literaturunterricht bieten Gelegenheiten, über Gefühle, Perspektivwechsel und Konflikte zu sprechen. Wird SEL nur auf eine einzelne Stunde begrenzt, gehen diese wichtigen Verbindungen verloren.
Auch kann ein einzelner in der Woche festgelegter SEL-Termin die Dynamik im Gruppenalltag nicht abbilden. Emotionale Herausforderungen entstehen oft spontan und unvorhersehbar. Eine durchgehende Integration von SEL im Alltag ermöglicht es den Pädagog*innen, sofort zu reagieren und die Kinder direkt zu unterstützen.
SEL bedeutet nicht nur Methodenvermittlung, sondern vor allem das Schaffen eines Umfelds, in dem sich Kinder sicher, wertgeschätzt und verstanden fühlen. Das erfordert eine kontinuierliche Beziehungspflege, gelebte emotionale Kompetenz und eine Kultur des Miteinanders – nicht nur eine einzelne Unterrichtseinheit.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass aus dem Alltag herausgehobene einzelne Lernaktivitäten keine nachhaltige Wirksamkeit gewährleisten: Es fehlt an Kontinuität, ist vom Alltag der Kinder getrennt, bleibt isoliert von anderen Lernbereichen und greift wichtige, spontane Lerngelegenheiten nicht auf. Damit sozial-emotionales Lernen seine volle Wirkung entfalten kann, muss SEL in alle Bereiche des Kindergartenalltags eingebunden werden. Nur so können Kinder diese grundlegenden Kompetenzen entwicklungsangemessen und kontinuierlich entwickeln.
Die Alternative zu einem fragmentierten SEL-Ansatz besteht darin, sozial-emotionales Lernen in alle Bereiche des Kita-Alltags zu integrieren. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Kinder am effektivsten durch ganzheitliche Lernerfahrungen lernen, die die Sinne sowie emotionale und kognitive Prozesse gleichzeitig ansprechen. Wenn SEL ein fester Bestandteil jeder Aktivität ist, von Begrüßungsritualen über das Vorlesen, das gemeinsame Spiel bis hin zum fachbezogenen Lernen, erhalten Kinder kontinuierlich Impulse, um sozial-emotionale Kompetenzen nachhaltig zu entwickeln. Lerntheorien bedeutender Entwicklungspsychologen wie Wygotskij, Piaget und Bandura unterstreichen, dass Lernen vor allem durch soziale Interaktion, Nachahmung und gemeinsame Aktivitäten geschieht. Praxisbeispiele aus Programmen mit integrierter SEL-Förderung zeigen deutlich: Kinder, die regelmäßig in verschiedenen Alltagssituationen mit SEL in Kontakt kommen, entwickeln ausgeprägtere soziale Fähigkeiten, mehr emotionale Resilienz und erzielen langfristig bessere Lernergebnisse.
Um SEL in den Kita-Alltag zu integrieren, können pädagogische Fachkräfte verschiedene Strategien anwenden. Spielbasiertes Lernen fördert auf natürliche Weise Kommunikation, Problemlösungsfähigkeiten und emotionale Selbstregulation. Das Erzählen und Vorlesen von Geschichten bietet einen anregenden Rahmen, um über Gefühle, Empathie und ethisches Verhalten zu sprechen. Gruppenaktivitäten stärken Kooperation, Teamarbeit und Konfliktlösung. Achtsamkeitsübungen helfen Kindern, ihre Emotionen zu regulieren und ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln. Auch das Spielen im Freien trägt zur SEL-Entwicklung bei, da es soziale Bindungen, Verhandlungskompetenzen und Impulskontrolle fördert. Indem Erzieher*innen SEL-Prinzipien gezielt in alltägliche Aktivitäten einbinden, schaffen sie eine Lernumgebung, in der Kinder kontinuierlich wichtige sozial-emotionale Fähigkeiten erlernen und anwenden können.
Damit sozial-emotionales Lernen erfolgreich integriert werden kann, benötigen Pädagog*innen gezielte Fortbildungen und Unterstützung, um soziale und emotionale Kompetenzen kontinuierlich über den gesamten Tag hinweg zu fördern: SEL muss als grundlegender Bestandteil jeglicher Bildungsprozesse verstanden werden. Pädagogische Fachkräfte müssen über praxisnahe Strategien, geeignete Materialien und Instrumente zur Beobachtung verfügen, um die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen wirksam begleiten zu können. Ebenso entscheidend ist die Einbindung der Eltern, denn Kinder profitieren am meisten, wenn SEL-Prinzipien sowohl in der Einrichtung als auch im familiären Umfeld gelebt werden. Politische Entscheidungsträger*innen müssen dafür Sorge tragen, dass die strukturellen Grundlagen für diese wichtigen Lernprozesse gegeben sind.
Um die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern wirksam zu fördern, muss das sozial-emotionale Lernen in alle Aktivitäten des Kita-Alltags eingebettet sein und nicht auf einzelne, isolierte Maßnahmen beschränkt bleiben. Nur ein ganzheitlicher Ansatz ermöglicht es Kindern, SEL-Prinzipien durch kontinuierliche Wiederholung, Anwendung in Alltagssituationen und unter Einbezug aller Bildungsbereiche zu verinnerlichen. Dazu gehört auch, dass Pädagog*innen, die Eltern in diese Arbeit einbeziehen. Wird SEL als grundlegender und durchgängiger Bestandteil der frühkindlichen Bildung im Konzept der pädagogischen Arbeit verankert, fördert dies nachhaltig das psychische Wohlbefinden und den Bildungserfolg der Kinder.
„Bewusst vermitteln wir Wissen; unbewusst lehren wir, was wir sind.“
Was ist eine Erzieherin, ein Erzieher? Was braucht es, um als Pädagog*in gut zu sein, professionell richtig zu handeln und qualitätsvolle pädagogische Prozesse zu gestalten? Zwei Fragen führen zur Antwort: was sind wichtige pädagogische Basiskompetenzen und was brauchen Pädagog*innen, damit sie diese Kompetenzen erwerben können (vgl. Korthagen nach Tatalović et al., 2023)?
Erzieherinnen bzw. Erzieher sind Profis für das Planen, Organisieren und Begleiten von Bildungsprozessen. Sie haben fachliches Wissen und wenden dieses praktisch an, wobei sie grundsätzlich offen und in unvorhergesehenen Situationen flexibel reagieren.
Sie benötigen ein Bündel von Fähigkeiten, Wissen und Einstellungen: z.B. Entscheidungsstärke, um Fachwissen zur richtigen Zeit und auf die richtige Art einzusetzen. Insbesondere das Interesse daran, die Entwicklung von Kindern individuell zu unterstützen, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfreude sind wichtige Fähigkeiten, die in der Interaktion mit der Kita-Umwelt (dem Team, den Kindern, den Eltern und weiteren Akteuren) genutzt werden.
Die Kompetenz von Pädagog*innenn zeigt sich vor allem in der Zufriedenheit des Kindes damit, in der Gruppe zu sein. Ein Kind, dessen Bedürfnisse erfüllt werden und das sich in der Gruppe sicher und angenommen fühlt, lernt leichter und entwickelt sich auf natürliche Weise. Kompetente Pädagog*innen stellen sich ständig die Frage: „Warum?“.
Zum Beispiel:
Die professionelle Rolle von Pädagog*innen beinhaltet immer das Streben nach Verbesserung sowie das Reflektieren und Bewerten der eigenen pädagogischen Praxis, so wie sie ist.
Manchmal ist es für Pädagog*innen schwierig, selbstständig einzuschätzen, was gut funktioniert und was nicht. Um die eigene Aufgabe angemessen erfüllen zu können, braucht es den kritischen, wohlwollenden Blick einer Kollegin bzw. eines Kollegen, denn eine Perspektive aus einem anderen Blickwinkel kann sehr hilfreich sein. Dabei ist die zentrale Fähigkeit, Kindern, Kolleg*innen, sich selbst und der Institution als Ganzem zuzuhören. Eine kompetente Erzieherin bzw. ein kompetenter Erzieher ist eine Fachperson mit spezifischem Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen, die der Entwicklung und dem Wohlbefinden des Kindes dienen.
Das Kind steht im Mittelpunkt. Der optimale Entwicklungsweg soll ermöglicht werden, damit jedes Kind sein Potenzial entfalten kann. Ausgehend von der eigenen Neugier, dem Zuhören und Fragen sowie der Reflexion der eigenen Tätigkeit werden Pädagog*innen zu Mitgestalter*innen von Entwicklung und Lernen und zu Erforscher*innen der eigenen Praxis. Kompetenz kein statischer Begriff, sondern ein Entwicklungsprozess und Teil des persönlichen lebenslanges Lernens und Forschens.
"Geht es den Lehrern gut, geht es den Kindern gut."
Neben den grundlegenden Kompetenzen, die Pädagog*innen haben sollten (Interaktionen, Inklusion, Vielfalt und demokratische Werte, Beobachtung und Planung; Lehrstrategien; Lernumgebung, professionelle Weiterentwicklung sowie Familie und Gemeinschaft), wird der Prozess pädagogischer Arbeit im Bereich der impliziten Pädagogik in erheblichem Maße durch ihre Persönlichkeit (Tatalović Vorkapić, 2017), ihre Einstellungen und bestimmte lebenslange Kompetenzen beeinflusst, von denen sozial-emotionale Kompetenzen (CASEL) sowie persönliche, soziale und Lernkompetenzen im Sinne des Lernen-zu-lernen (LifeComp) von außerordentlicher Bedeutung sind.
Sozial-emotionale Kompetenzen werden von früh an erworben und sind entscheidend für den Erfolg im Leben, das gilt auch für Erzieher*innen. Sozial-emotionale Kompetenzen fördern den Erfolg auf persönlicher und beruflicher Ebene, unterstützen positives Verhalten in der Interaktion mit der Umwelt und reduzieren Stress. Gleichzeitig sind sie eine Schlüsselkompetenz für angehende Pädagog*innen, die offen für Veränderungen bleiben und zum lebenslangen Lernen bereit sein sollten. Sie bilden ein Kompetenzbündel, das zugleich eine Voraussetzung dafür ist, ein hohes Maß an Wohlbefinden und psychischer Gesundheit bei Pädagog*innen zu erreichen und damit auch das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Kindern im frühen und vorschulischen Alter.
Wenn es darum geht, die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern zu begleiten und zu fördern, ist es wichtig, den Blick auch auf die eigenen persönlichen Kompetenzen zu richten...
Emotionale Reife ist ein zentrales Element professioneller Pädagogik. Um Kinder wirksam zu begleiten, brauchen Pädagog*innen mehr als Fachwissen: Sie müssen emotional gefestigt sein und ihre Gefühle bewusst wahrnehmen und regulieren können. So bleiben sie auch in stressigen Situationen handlungsfähig und werden zu glaubwürdigen Vorbildern. Emotionale Kompetenz ermöglicht, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen - eine zentrale Voraussetzung für gelingende Bildungsprozesse.
Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher zur Förderung sozial-emotionaler Fähigkeiten, sollten ein selbstverständlicher Bestandteil der pädagogischen Weiterbildungspraxis sein. Wichtige Fortbildungsinhalten sind: das Erkennen des emotionalen Befindens der Kinder, Sicherheit in kindgerechter emotionsfreundlicher Kommunikation mit Kindern gewinnen sowie die Entwicklung gezielter Förderangebote für den Alltag und in Projekten. Beim LifeComp-Ansatz werden die persönlichen Kompetenzen Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation und Resilienz besonders in den Blick genommen.
Selbstwahrnehmung bedeutet, die eigenen Gefühle, Interessen, Werte und Stärken zu erkennen und zu verstehen. Menschen mit dieser Fähigkeit wissen, wie ihre Emotionen ihr Verhalten und ihre Entscheidungen beeinflussen. Sie kennen ihre Stärken und Schwächen, was ihnen hilft, realistische Ziele zu setzen und zu verfolgen, sich selbst zu motivieren und mit Gefühlen besser umzugehen.
Emotionsregulation ist die Fähigkeit, eigene Gefühle zu steuern, etwa Impulse zu kontrollieren, mit Stress umzugehen und in schwierigen Situationen durchzuhalten. Sie hilft, fokussiert zu bleiben, innere Stärke zu entwickeln und fördert Resilienz und somit Herausforderungen gut zu meistern.
Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen und schwierigen Lebenssituationen positiv umzugehen. Sie zeigt sich darin, trotz Herausforderungen handlungsfähig zu bleiben, Rückschläge zu bewältigen und sich weiterzuentwickeln. Resilienz ist kein fester Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der durch Schutzfaktoren wie Ausdauer, Hoffnung, Optimismus, Zielstrebigkeit, Lernmotivation und Bildungshunger unterstützt wird.
Um die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern im Kita-Alter zu fördern, ist es entscheidend, dass auch pädagogische Fachkräfte über entsprechende Kompetenzen verfügen. Deshalb wurden Programme entwickelt, die Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation und Resilienz bei Erzieher*innen stärken - mit dem Ziel, einerseits als Vorbilder zu wirken und andererseits diese Fähigkeiten gezielt bei Kindern zu fördern. Ein Beispiel ist das RULER-Programm (Recognizing, Understanding, Labelling, Expressing, and Regulating Emotions, Hoffman et al., 2020). Es unterstützt Menschen jeden Alters dabei, Emotionen im Alltag bewusst wahrzunehmen, angemessen auszudrücken und gezielt zu regulieren - mit dem Ziel, die emotionale Kommunikation zu verbessern und die persönliche sowie berufliche Entwicklung zu stärken.
Ein weiteres Beispiel ist PROMEHS (Tatalović Vorkapić, Colomeischi & Ornaghi, 2023), das auf dem CASEL-Modell basiert. Es fördert fünf zentrale sozial-emotionale Kompetenzen: Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Empathie, Beziehungsfähigkeit und verantwortungsvolles Entscheiden. Die gezielte Förderung dieser Kompetenzen bei pädagogischen Fachkräften wirkt sich nachhaltig positiv auf Kinder aus, insbesondere auf deren emotionale Stabilität, Wohlbefinden und psychische Gesundheit.
Programme wie diese zeigen, wie wichtig es ist, sozial-emotionales Lernen auch in Kitas zu fördern, sowohl bei Kindern als auch bei den Fachkräften. Erzieher*innen, die gut mit eigenen Gefühlen umgehen können, erkennen leichter, was Kinder brauchen, wo ihre Stärken liegen und wo sie Unterstützung benötigen. So können sie gezielter auf jedes Kind eingehen. Auch im Kontakt mit Eltern hilft eine gute emotionale und soziale Kompetenz, zum Beispiel, um Meinungsverschiedenheiten ruhig zu klären und gemeinsam gute Lösungen für schwierige Situationen zu finden.
Studien und Praxiserfahrungen zeigen: Die emotionale Kompetenz von Erzieher*innen ist ein Schlüsselfaktor im Umgang mit Stress und dem Erleben von beruflicher Überlastung. Sie beeinflusst maßgeblich die Qualität der Zusammenarbeit, im Team, mit den Kindern und mit deren Familien. Besonders wichtig sind dabei das Erkennen, Ausdrücken und Regulieren von Gefühlen. Je nachdem, wie gut diese Fähigkeiten entwickelt sind, gehen Fachkräfte unterschiedlich mit herausfordernden Situationen um und nehmen Belastungen sowie mögliche Lösungen unterschiedlich wahr. Emotionale Kompetenzen stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit im Beruf und die gegenseitige Unterstützung im Team. Beides ist entscheidend, um langfristig gesund und zufrieden im Beruf zu bleiben.
Interessant ist, dass sie, je nachdem, wie stark sie ausgeprägt sind, sowohl einen Risikofaktor (bei geringer Ausprägung) als auch einen Schutzfaktor (bei hoher Ausprägung) in der beruflichen Tätigkeit von Pädagog*innen darstellen können, darüber hinaus auch in ihrem Privatleben sowie allgemein für ihr Wohlbefinden und ihre psychische Gesundheit. Es ist äußerst wichtig, emotionale Kompetenzen zu fördern und Erzieher*innen in Programmen des sozial-emotionalen Lernens zu schulen, um stärkere Beziehungen zwischen Pädagog*innen und Kindern sowie eine bessere pädagogische Arbeit zu erreichen. Außerdem sind sie gemeinsam mit den Eltern zentrale Vorbilder für Kinder im Hinblick auf erwünschtes Verhalten, und es ist unbedingt notwendig, sowohl in qualitativ hochwertige Elternschaft als auch in das Wohlbefinden von Pädagog*innen zu investieren.
Aus dem Obigen ist erkennbar, dass der Erhaltung der psychischen Gesundheit als zentralem Punkt für die Aufrechterhaltung des Wohlbefindens von Beschäftigten besondere Bedeutung beigemessen wird. Gleichzeitig ist es wichtig, die Besonderheiten der Arbeit in Kindergärten im Blick zu behalten, bei denen der spezifische kulturelle Kontext sowie das Bildungssystem und die Bildungspolitik eines bestimmten Landes wesentliche Determinanten für die Qualität der pädagogischen Arbeit und die Möglichkeit einer angemessenen Anpassung von Pädagog*innen sind. Es ist bekannt, dass Stress sicherlich einer der Faktoren ist, die zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit und der Resilienz führen, und es ist entscheidend, Pädagog*innen Bedingungen zu bieten, die die Entwicklung von Kompetenzen für einen effizienteren Umgang mit verschiedenen herausfordernden Situationen ermöglichen. Eine große Zahl früherer Studien weist auf einen Zusammenhang zwischen emotionaler Kompetenz und Resilienz hin, und beide Konzepte stehen in Beziehung zu Stress. Über emotionale Kompetenzen zu verfügen und emotional intelligentes Verhalten zu zeigen, wird ebenfalls mit erhöhter Resilienz in Verbindung gebracht und führt zu einem besseren allgemeinen Funktionieren der einzelnen Person.
Eine der wichtigsten Kompetenzen ist, wie schon erwähnt, Resilienz. Die innere Motivation und die persönlichen Werte von Pädagog*innen fördern die Entwicklung emotionaler und professioneller Kompetenzen, die Resilienz überhaupt erst möglich machen. Sie helfen dabei, Stress zu bewältigen und Herausforderungen in persönliche und berufliche Stärken umzuwandeln. Resilienz entwickelt sich sowohl durch positive als auch durch negative Erfahrungen. Entscheidend ist, wie jemand mit diesen Situationen umgeht. Sie hängt sowohl von inneren als auch von äußeren Ressourcen ab. Studien zeigen: Positive Gefühle, hohe Resilienz und geringerer Stress hängen eng zusammen, ebenso wie negative Emotionen, niedrige Resilienz und hoher Stress. Diese Zusammenhänge verdeutlichen, wie wichtig emotionale Kompetenzen für die Entwicklung von Resilienz und den Erhalt psychischer Gesundheit im Beruf sind, besonders in Arbeitsfeldern mit hoher Belastung. Deshalb ist es essentiell, gezielt die Kompetenzen von Pädagog*innen im Hinblick auf ihre mentale Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu stärken (Tatalović Vorkapić & Pereša, 2024).
Da Kinder einen großen Teil ihres Tages in der Kita verbringen, ist das Verhalten der pädagogischen Fachkräfte und ihre Art, den Umgang mit Gefühlen zu vermitteln, besonders wichtig. Durch die Gestaltung und Begleitung sozial-emotionaler Bildungsprozesse geben Pädagog*innen ihre Werte, Einstellungen und Sichtweisen weiter und prägen damit maßgeblich das Weltbild der Kinder. Ob ein Kind eine optimistische Lebenseinstellung entwickelt, hängt stark davon ab, wie häufig es positive Erfahrungen und Vorbilder in seiner Umgebung erlebt. Neben den Eltern kommt den Pädagog*innen dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Vor allem wenn Kinder aktiv mitgestalten und ihre eigenen Gefühle und Erfahrungen einbringen dürfen, stärkt das ihr Selbstvertrauen und ihr Gefühl von Kompetenz. Werden ihre Anstrengungen und Erfolge wahrgenommen, verbindet sich Lernen für sie mit positiven Erfahrungen und sie entwickeln Freude am Weiterlernen.
Wenn Pädagog*innen selbst emotional kompetent sind und sie über eine hohe Resilienz verfügen, werden sie dazu beitragen können, dass Kinder diese Fähigkeiten ebenfalls entwickeln. In einer pädagogischen Umgebung, die Resilienz fördert, werden Kinder als eigenständige Persönlichkeiten akzeptiert, die ihre sozialen Handlungen, Ziele und Lerninhalte mitbestimmen. Pädagog*innen übernehmen hier eine wichtige Rolle, indem sie Motivation und Unterstützung anbieten. Wenn Kinder selbst Entscheidungen treffen können und ihre Anstrengungen anerkannt werden, spüren sie: Die Erwachsenen trauen mir etwas zu. Das Ergebnis sind positive Lernerfahrungen und persönliche Entwicklungserfolge.
Xenia, Erzieherin, betritt den Gruppenraum. Heute feiert Yasin seinen 5. Geburtstag und ist ganz aufgeregt. Xenia beginnt, die Geburtstagsfeier vorzubereiten, eine Krone, den besonderen Stuhl, Kekse und die Gitarre zu holen.
Plötzlich ruft Zeno (5;1): "Geburtstag ist voll doof! Yasin ist doof! Ich mag Yasin nicht!"
Yasin schreit zurück und dann schubsen sich die beiden schreienden Kinder.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Xenia merkt, dass sie sich ärgert, da die Feier in Gefahr ist. Und sie ist besorgt, dass ein Kind verletzt wird. Sie hält inne und atmet bewusst. Sie erinnert sich, dass Zeno traurig war, weil sein Geburtstag in die Ferien fiel und die Feier noch nicht nachgeholt wurde. Mit ruhiger Stimme äußert sie ihre Sorge um das Wohlergehen der Kinder. Sie sagt zu Zeno, dass sein Ärger gesehen wird. Zu Yasin sagt sie, dass es weiterhin darum gehe, seinen Tag zu feiern. Sie schlägt vor, gleich nach dem Geburtstagskreis eine Lösung für Zeno zu suchen. Das steckt dahinter: Das Bewusstsein für eigene Gefühle und ihre Regulation schafft eine sichere, unterstützende Atmosphäre. Emotionale Momente bieten Chancen, Kindern den Umgang mit Gefühlen und die Suche nach konstruktiven Lösungen vorzuleben.
Die Erzieherin Antonia erhält einen dringenden Anruf: Ihre Mutter hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Antonia fühlt sich auf einmal sehr schwach und den Tränen nahe. Zurück in der Gruppe wird sie von den Kindern umringt, sie wollen jetzt das lustige Bewegungsspiel spielen, das sie sich vorher ausgesucht hatten.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Antonia nimmt ihre Emotionen, den Schreck und die Angst um die Mutter wahr. Sie nutzt eine beruhigende Atemtechnik und Selbst-Mitgefühl: "Angst und Trauer sind jetzt in Ordnung." Wenn ihre Emotionsregulation gelingt, kann sie weiter mit den Kindern arbeiten und ggf. auch über ihre Situation sprechen. Wenn sie zu belastet ist, sollte sie das Team informieren, um Entlastung zu finden. Das steckt dahinter: Kinder lernen am Vorbild, dass es wichtig ist, Gefühle wahrzunehmen und aktiv zu regulieren.
Mittagszeit. Farid (3;8) ist wählerisch und mag das heutige Essen nicht. Er weigert sich zu essen. Der Erzieher Ansgar versucht ihn zu überreden, aber Farid bleibt stur. Ansgar bietet ihm dann einen Keks an, damit er nicht hungrig bleibt. Das findet Birgit, Ansgars Kollegin, nicht richtig und sagt nach dem Essen, dass Farid so nicht lernt, gesund zu essen und dass Kita-Regeln boykottiert werden.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Birgits Ansprache war emotional. Respektvolle Ich-Botschaften wären sinnvoller: Ich habe bemerkt, dass es dir wichtig ist, dass Farid satt wird. Das steckt dahinter: Kolleg*innen wertschätzend ansprechen, damit Selbstreflektion und Orientierung am pädagogischen Konzept (hier: Kinder wählen selbst aus und werden nicht gedrängt zu essen) angeregt werden.
Die Pädagogin Anna spricht mit Kind Carl (4;2), der immer wieder Bausteine durch den Raum wirft. Anna erklärt mehrfach ruhig, dass das gefährlich ist und auch die Gruppe stört. Carl reagiert nicht. Annas Stresslevel steigt rapide, sie hebt die Stimme. Die zweite Gruppenerzieherin Rita kommt näher, berührt Anna leicht am Arm und fragt freundlich:
"Kannst du mir helfen? Ich habe die Wasserflasche in der Küche vergessen."
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Um pädagogisches Fehlverhalten zu vermeiden, ist es für Anna wichtig, ihren Stress wahrzunehmen, innezuhalten und ihre Emotionen zu regulieren. Durch Ritas Angebot kann sie aus der Situation heraustreten. Das steckt dahinter: Akzeptanz von Stress, kollegiale Unterstützung und das Annehmen von Hilfe sind wichtige Ressourcen.
Erzieherin Xenia hat Schwierigkeiten, in stressigen Momenten ruhig zu bleiben. Sie wendet sich an die Kita-Leiterin Marie: "Ich merke, dass ich oft überfordert bin, wenn Konflikte unter den Kindern eskalieren. Ich werde aus lauter Stress dann wütend. Letztens habe ich sogar vor der ganzen Gruppe laut geschrien."
Marie reagiert ruhig. Sie macht deutlich, dass aggressives Verhalten in keinem Fall akzeptabel ist. Sie dankt Xenia für ihre Offenheit. Gemeinsam besprechen sie Handlungsalternativen und Unterstützungsmöglichkeiten für Xenia.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Offenheit ist wichtig. Die Leiterin wertschätzt das Vertrauen ihr gegenüber und bietet Unterstützung an. Sie gibt Feedback und betont die Bedeutung der emotionalen Selbstregulation im professionellen Kontext. Das steckt dahinter: Über Probleme sprechen ist richtig. Das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung steht im Mittelpunkt. Die Kollegin kann an ihrer Problematik arbeiten.
Pädagogin Elif betritt den Gruppenraum der Fünfjährigen. Sie bringt eine kleine Gitarre mit. Die Kinder sind neugierig und zählen die Saiten - nur vier! Die normale Gitarre von Elif hat sechs! Sie gucken in Büchern nach, recherchieren online und finden heraus: Das Instrument heißt Ukulele. Sie entdecken auch, dass das Wort Ukulele springender Floh bedeutet. Zusammen mit Elif erfinden sie ein kleines Lied über einen fröhlichen Floh. Die Kinder sind stolz auf ihr Lied! An den folgenden Nachmittagen spielt Elif nun häufig Ukulele, natürlich auch das Floh-Lied. Die Kinder singen oder summen mit. Einige tanzen, springen oder klatschen im Takt, andere hören zu, ohne ihre aktuelle Beschäftigung zu unterbrechen.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Elif reflektiert die gelungene Aktivität. Aus einer spontanen Situation ist ein freudvoller Lernmoment entstanden. Elif kann die gemeinsame Erfahrung verstärken, indem sie im Nachgang aktiv über die Aktion spricht, Freude ausdrückt und die Aktivitäten der Kinder wertschätzt. Das steckt dahinter: das Engagement der Kinder wird durch verbale und emotionale Siegelung positiv bestätigt. Gelungene gemeinsame Aktivitäten stärken auch das Gruppengefühl und die soziale Verbundenheit. Elif agiert als Vorbild, sie zeigt positive Gefühle und Interesse am Gegenstand. Sie begegnet den Kindern offen, unterstützend und wertschätzend.
Pädagogin Gina mag Kunst und Malen, verwendet aber nicht gern vorgefertigte Ausmalbilder.
Pädagogin Gina bringt heute dennoch Kopien mit in die Gruppe, auf denen Batterien abgebildet sind.
„Ha, für Autos!“, ruft Xaver (4;9).
Gina fragt: „Warum haben Autos eigentlich Batterien?“
Eine lebhafte Diskussion beginnt. Die Kinder reden darüber, wie die Batterie den Motor antreibt oder sogar das ganze Auto.
„Die muss aufgeladen werden“, erklärt Yilmaz (5;2).
„Mamas E-Bike ist alt. Das muss oft an die Steckdose!“, führt er weiter aus.
Gina ist beeindruckt. „ Ihr wisst ganz viel über Batterien! Brauchen wir Menschen eigentlich auch eine Batterie? Wo kommt unsere Energie her?“, fragt sie.
Dann fragt Gina: „Kannst du dir vorstellen, du wärst eine Energiezelle?“
Gina sagt weiter: „Wenn ihr Lust habt, könnt ihr auf der Kopie malen oder zeichnen, was euch Energie gibt.“
Die Kinder sind begeistert und legen los.
Yilmaz gibt Gina ein Blatt und sagt: „Du musst deine Batterie auch malen!“
Gina ist überrascht, macht aber gerne mit.
Nach Dienstschluss sitzt Gina nachdenklich vor ihrer Zeichnung.
„Hm, ist die Batterie halb leer oder halb voll?“, murmelt sie.
Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: „Ich sollte mir dringend ein paar neue Stromquellen suchen…"
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Anregende Situationen und neue Materialien wecken das Interesse der Kinder und geben Impulse (hier für die Selbstfürsorge). Die Pädagogin lässt sich von den Ideen und der Diskussion der Kinder überraschen. Die Kinder sind aktiv an der Mitgestaltung des Lernprozesses beteiligt. Das steckt dahinter: Die Kinder erleben, dass ihre Neugier und ihr Wissen wichtig ist und der gemeinsame Austausch bereichert. Das Grundbedürfnis: sich auszuruhen, Energie zu tanken, steht im Fokus. Es beginnt ein co-konstituierender Prozess und Gina denkt über ihre eigenen Ressourcen nach.
Kinder und Pädagog*innen bereiten eine Aufführung für das Sommerfest vor. Jeden Tag wird gemeinsam geprobt, mit Liedern, Texten und kleinen Spielszenen, die die Kinder selbst aussuchen und mitgestalten. Erzieherin Petra begleitet auf der Gitarre, die Kollegen Zacharias und Mehmet helfen bei den Proben. Die Stimmung steigt von Tag zu Tag, das gemeinsame Singen und die kleinen Szenen klappen immer besser. Jeden Morgen freuen sich Kinder und Pädagog*innen auf die Proben.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Pädagog*innen schaffen die Rahmung und den Fokus auf das gemeinsame Ziel. Wichtig ist die Grundhaltung: Jeder hat eine Aufgabe, jede Stimme zählt. Das steckt dahinter: Kinder erleben Freude, Verantwortung und Stolz, wenn ein Ziel gemeinsam verfolgt wird. Die Pädagog*innen sind Vorbilder für Zusammenarbeit, kreative Problemlösungen sowie die Freude am gemeinsamen Tun.
Der Erzieher Karim mag Tiere sehr gerne. Aber Insekten und Spinnen findet er wirklich überflüssig. Spinnennetze sind doch einfach nur Staubfänger, die an Wänden und Decken hängen. In der Gruppe der Fünfjährigen geht es diese Woche um ein neues Projekt. Die Kinder möchten mehr über "hilfreiche" Insekten erfahren und sie interessieren sich ausgerechnet für Spinnen.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Pädagog*innen sollten sich eigener Abneigungen und Ängste bewusst werden. Sie können sich auf Lernsituationen mit Themen, die negative Gefühle auslösen, gezielt vorbereiten, beispielsweise mit Sach- und Bilderbüchern, die Situation gemeinsam mit einer Kollegin planen oder externe Expert*innen einladen. Die eigenen Emotionen können im Gespräch mit den Kindern auch benannt werden. Die Herausforderung kann genutzt werden, Neues zu lernen und eigene Einstellungen zu ändern.
Das steckt dahinter: Kinder erwerben neues Weltwissen und erfahren darüber hinaus, dass Menschen unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen haben, dass dies OK ist und dass sich Einstellungen auch ändern können, wenn mit Themen gearbeitet wird.
Ein Tag im Spätherbst, es ist neblig und trüb. Die Sonne zeigt sich zwar gerade, aber am frühen Nachmittag, nach der Mittagspause und üblichen Ruhezeit, wird es draußen bereits dunkel sein. Während des Mittagessens beschweren sich einige Kinder bei ihrer Erzieherin Nora. Sie wollen lieber draußen spielen, solange es noch hell ist und finden die Ruhezeit nach dem Essen doof! Nora greift die Bitte der Kinder auf. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sara stimmt sie zu, den üblichen Ablauf zu ändern. Jedes Kind kann ab heute nach dem Mittagessen selbst entscheiden, ob es in den Garten gehen möchte. Wer sich lieber ausruhen möchte, kann drinnen bleiben. Nora und ihre Kollegin beaufsichtigen die Kinder abwechselnd drinnen und draußen.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Der Fokus der Erzieherinnen liegt auf den Interessen und Bedürfnissen der Kinder. Das jeweils individuelle Bedürfnis der Kinder nach Sonnenlicht und Spielen im Freien wird wahrgenommen und aufgegriffen, statt einer Tagesplanung zu folgen, die in diesem Fall ohnehin nicht mehr zur Jahreszeit passt. Das steckt dahinter: Beschwerden, Bitten und Vorschläge der Kinder sollten im Team grundsätzlich ein Forum erhalten, erfragt, gehört und in die pädagogische Planung einbezogen werden. Individualisierbare Varianten sollten starre oder überholte Alltagsroutinen ersetzen.
Ysa (25) beginnt nach ihrem Bachelor in Kindheitspädagogik als Erzieherin in einer Kita. Das Team dort arbeitet schon seit vielen Jahren zusammen. Das Durchschnittsalter der Kolleg*innen liegt bei über 50 Jahren. Alle sind freundlich und hilfsbereit. Aber Ysa fühlt sich fehl am Platz. Dazu kommt, dass es in der Kita ganz anders als in ihren Praktika in einer von der Uni empfohlenen Kita läuft. Sie hat Schwierigkeiten, sich mit den niedrigen pädagogischen Standards in der Einrichtung zu arrangieren.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Den Blickwinkel zu verändern, weg vom Anderssein hin zu der Chance, von den Erfahrungen der älteren Kolleg*innen zu profitieren. Die Kolleg*innen signalisieren Hilfsbereitschaft, sind aber evtl. selbst unsicher, denn die neue Kollegin hat einen anderen Ausbildungshintergrund. Offen über eigene Fragen oder Unsicherheiten zu sprechen, auch über mögliche Unterschiede im Denken oder Handeln, kann der erste Schritt zu einer konstruktiven Zusammenarbeit sein. Das steckt dahinter: Auf der Basis eines offenen und respektvollen Austauschs kann Ysa zeigen, was sie ausmacht und was ihr wichtig ist. Die Kolleg*innen erhalten die Chance, sich auch auf Neues einzulassen. Auf diese Weise kann der Einstieg in den Beruf zu einer bereichernden Erfahrung für die junge Pädagogin und die erfahrenen Kolleg*innen des eingespielten Teams werden.
Pädagoge Alex begrüßt morgens die Kinder im Eingangsbereich der Kita. Frau Zabel rauscht in den Raum, ihre Tochter Marcella (5;2) kommt mit viel Abstand hinterher. Frau Zabel wirkt gestresst und ruft Marcella zu: „Los jetzt du lahme Schnecke!“
Dann wendet sie sich an Alex: „Jeden Morgen bringt sie mich auf die Palme! Ich muss pünktlich bei der Arbeit sein! Das ist Absicht, damit sie Aufmerksamkeit kriegt.“
Warum könnte sich Frau Zabel so verhalten? Wie könnte sich dies auf Marcella, Alex und sie selbst auswirken? 1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Die Fachkraft kann Mutter und Kind zurückspiegeln, dass der Stress beider gesehen wird. Die Situation sollte im Nachgang gemeinsam mit der Mutter reflektiert werden. Bring- und Abholsituationen sind auch wichtige Themen für Elternnachmittage auf denen die Fachkräfte die Kinderperspektive vermitteln, bspw. mit praktischen Übungen, bei denen Eltern in die Rolle der Kinder schlüpfen, und Ideen für Stress-reduziertes Ankommen erarbeitet werden. Das steckt dahinter: Transitionen benötigen eine Rahmung, die die Bedürfnisse der Kinder, Eltern und Fachkräfte berücksichtigt. Wenn das Team Konflikte als Chancen sieht und lösungsorientiert arbeitet, können Eltern darin unterstützt werden, dysfunktionale Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster zu erkennen und zu ändern.
Die Kinder spielen im Außengelände. Lea baut mit Förmchen, Wasser und einigen Zweigen im Sandkasten eine Sandburg. Die Pädagogin Beate beobachtet sie und überlegt, wie lange Lea wohl bei der Sache bleiben wird. Zwei andere Kinder kommen vorbei, schauen, machen Bemerkungen und gehen wieder. Lea lässt sich nicht ablenken. Insgesamt arbeitet sie 25 Minuten konzentriert an der Sandburg.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Lea zeigt im Spiel eine hohe Konzentration. Das ist ein wertvoller Moment innerer Motivation und eine Phase differenzierter Lernprozesse. Die gezielte Beobachtung und, ohne zu unterbrechen oder zu bewerten, ein feinfühliges Angebot zum dialogischen Austausch (Was baust du? Was brauchst du dafür? Was gefällt dir besonders? Wie machst du das genau usw.) sind die pädagogischen Mittel der Wahl. Übergänge (hier von draußen nach drinnen) sollten frühzeitig angekündigt werden, um dem kindlichen Recht auf Information und Mitbestimmung zu entsprechen und eine gute Orientierung zu geben. Wenn das Kind sein Vorhaben noch nicht abgeschlossen hat, sollten Bauprojekte auch stehen bleiben dürfen.
Nico (28) arbeitet seit fünf Jahren im Kindergarten. Er versucht stets, allen beruflichen Anforderungen gerecht zu werden: individuell auf die Bedürfnisse und Entwicklungsschritte der Kinder einzugehen, für die Eltern präsent zu sein und den Erwartungen von Teams und Leitung in Bezug auf Fachlichkeit, Projekte und Fortbildungen zu entsprechen. Jeder Tag ist zu kurz. Jeden Abend schreibt Nico Berichte und bereitet sich auf den nächsten Tag vor. Morgens ist Nico oft müde, fühlt sich den ganzen Tag über körperlich erschöpft und dumpf im Kopf. In letzter Zeit geht er schon während der Arbeitszeit mit den Kindern ständig im Kopf durch, welche diversen weiteren Aufgaben während der Woche noch anstehen.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Hohe Erwartungen an die eigene Professionalität können zu Überforderung führen. Besser ist es, sich in kleinen Schritten realistische Handlungsziele zu setzen und berufliche Richtziele in Abständen zu checken. Das Wesentliche bleibt das Wohlbefinden der Kinder und die gute Zusammenarbeit mit den Familien. Fachkräfte müssen sich ihrer eigenen Ressourcen und Grenzen bewusst sein, denn ihre Persönlichkeit ist ihr Hauptwerkzeug.
Der Austausch im Team, auch über eigene Ansprüche, hilft, eine konstruktive Aufteilung der täglichen Aufgaben zu organisieren. Junge Kolleg*innen unterstützt dies darin, die eigene Planung und Ansprüche mit der Realität abzugleichen. Auch Techniken wie z.B. Achtsamkeitsübungen oder Journaling helfen, Aufgaben zu strukturieren und ein inneres Gleichgewicht zu entwickeln.
Auch wenn es im Kindergarten einmal drunter und drüber geht, bleibt Theresa (43) gelassen. Kollegin Ronja (25) wundert sich: „Wie machst du das? Ich bin völlig lost und du hast immer eine geniale Idee und die Kinder werden ruhig!“
Theresa antwortet: „Einerseits liegt das vielleicht in meiner Veranlagung. Ich bin ein gemütlicher Typ. Aber andererseits...“
Theresa lacht, "… ist das auch hartes Training!"
„Also machst du abends auch noch Sport?“, fragt Ronja.
Theresa antwortet: „Ja, schon, aber mein eigentliches Training besteht darin, wie ich den Alltag im Kindergarten gestalte. Ich achte sehr bewusst auf meine Atmung und weiß, wie ich mich erden kann, wenn es stressig wird. Und ich habe Routinen aufgebaut. Ich hatte vor fünf Jahren ernsthafte Herzprobleme. Das war ein Weckruf. Das Achten auf körperliche Signale und Routinen helfen mir heute sehr!“
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Auch wenn es keine allgemein gültige Lösung gibt, kann das, was einer Person hilft, für andere inspirierend sein. Hilfreiche Gewohnheiten und persönliche Strategien im Team und in Fortbildungen zu besprechen, gehört zu den wertvollsten Formen der Zusammenarbeit und Unterstützung im pädagogischen Alltag.
Das steckt dahinter: Eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen, Inspiration und Feedback durch Kolleg*innen und weitere Fachpersonen sind wichtige Elemente der beruflichen Entwicklung. Fachkräfte müssen sich ihrer eigenen Ressourcen und Strategien bewusst sein, denn ihre Persönlichkeit ist ihr Hauptwerkzeug.
Um eine qualitätvolle Förderung des Sozialen und emotionalen Lernens (SEL) in Bildungsprozessen in der Kita zu sichern, sind entsprechende Fort- und Weiterbildungen für Pädagog*innen von großer Bedeutung.
Die berufliche Weiterentwicklung von Pädagog*innen wird als ein lebenslanger Lern- und Entwicklungsprozess verstanden - auf persönlicher, sozialer und fachlich-beruflicher Ebene. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, wie Pädagog*innen ihre eigenen Kompetenzen einschätzen und welche Möglichkeiten sie für professionelles Handeln im Sinne kritischer, selbstständiger und verantwortungsbewusster Entscheidungen und Handlungen wahrnehmen (Kalin & Čepić (Hrsg.), 2019; Čepić & Šćulac, 2019).
Die Qualität jeder Interaktion zwischen Pädagog*innen und Kind hängt unter anderem davon ab, inwieweit die Fachkraft soziale und emotionale Signale wahrnehmen und angemessen darauf reagieren kann. Berufsbegleitende Weiterbildungen sollten deshalb besonders die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei pädagogischem Personal fördern, wie z.B. Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und Teamarbeit. Wenn Pädagog*innen Empathie vorleben, entsteht ein unterstützendes Umfeld, in dem Kinder lernen, auf die Gefühle anderer zu achten und angemessen darauf zu reagieren. Effektive Kommunikationsstrategien helfen Kindern, ihre eigenen Gefühle auszudrücken und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen. Darüber hinaus sollten Pädagog*innen gezielt Gruppensituationen anregen, die Teamarbeit und Zusammenarbeit fördern, und damit Kindern ermöglichen, unterschiedliche Ideen und Beiträge wertzuschätzen.
Wissenschaftliche Studien (z.B. Ranta et al., 2020; Brown et al., 2019; Blewitt et al., 2018; Tatalović Vorkapić & Čepić, 2020) bestätigen, dass Empathie, qualitativ hochwertige Kommunikation und gut entwickelte soziale Kompetenzen bei Pädagog*innen Schlüsselfaktoren für die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern im frühen Kindesalter sind. Blewitt et al. (2018) entwickelten ein konzeptionelles Modell zur Förderung sozial-emotionalen Lernens bei Vorschulkindern, das besonders die Qualität und Zielgerichtetheit der Interaktion zwischen Pädagog*innen und Kind in den Mittelpunkt stellt. Die Autor*innen stützten sich dabei auf zwei für frühkindliche Bildungssettings relevante Modelle: das Teaching Through Interactions Framework, das verschiedene Interaktionstypen beschreibt, die mit positiven kindlichen Entwicklungsergebnissen in Verbindung stehen, und das Pyramid Model for Supporting Social Emotional Competence in Infants and Young Children. Dieses stufenweise und systematisch aufgebaute Modell bietet konkrete Strategien zur Förderung des sozial-emotionalen Wohlbefindens. Es kann Pädagog*innen dabei unterstützen, geeignete Techniken im Alltag gezielt einzusetzen und durch bewusste Interaktion positive Beziehungen zu Kindern zu gestalten.
Die Analyse bestehender Interaktionen zwischen Pädagog*innen und Kindern sowie die Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten helfen dabei, aktuelle Praktiken zu reflektieren und gezielte Weiterentwicklung anzustoßen. Zielgerichtete Fortbildung, begleitet durch Umsetzung, Reflexion, Feedback und kontinuierliche Weiterqualifizierung, sind entscheidend, um soziale Kompetenzen zu stärken und die Qualität der Beziehungen zu verbessern, insbesondere im Hinblick auf das soziale und emotionale Funktionieren sowie das allgemeine Wohlbefinden der Kinder.
Pädagog*innen mit hoher Empathiefähigkeit unterstützen Kinder wirksam in der Entwicklung emotionaler Intelligenz, fördern positive soziale Beziehungen in der Gruppe und reagieren sensibler auf emotionale Bedürfnisse der Kinder. Dadurch können Stress und aggressives Verhalten bei Kindern verringert werden. Reflexive Praxis ist dabei ein zentrales Mittel zur Stärkung empathischer Fähigkeiten. Durch Übungen wie Journaling oder kollegiale Gespräche können Pädagog*innen ihre eigenen emotionalen Reaktionen und möglichen Vorurteile besser verstehen und dadurch einfühlsamer auf kindliche Bedürfnisse reagieren. Die Forschung empfiehlt deshalb, Reflexionsübungen fest in die berufliche Weiterbildung zu integrieren, um tiefere emotionale Verbindung und hochwertigere Interaktionen zu ermöglichen. Diese Erkenntnisse zeigen deutlich: Empathie ist keine feststehende Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die gezielt durch Fortbildung entwickelt werden kann und auch sollte.
Kommunikation spielt eine Schlüsselrolle in der kindlichen Entwicklung. Pädagog*innen, die offen, klar und positiv kommunizieren, fördern bei Kindern sowohl sprachliche als auch soziale Kompetenzen. Aktives Zuhören und aufmerksames Reagieren auf kindliche Fragen und Bedürfnisse stärkt das Sicherheitsgefühl und das Selbstvertrauen von Kindern. Dabei spielen verbale und nonverbale Signale gleichermaßen eine Rolle beim Vertrauensaufbau zwischen Fachkraft und Kind. Studien zeigen, dass Kommunikation besonders wichtig ist für die emotionale Regulation und den Erwerb sozialer Fähigkeiten. Pädagog*innen, die offene Fragen stellen, aktiv zuhören und reflektierte Kommunikationsstrategien einsetzen, helfen Kindern, ihre Gefühle auszudrücken und Perspektiven anderer zu verstehen. Professionalisierungsangebote für pädagogisches Personal sollten deshalb einen starken Fokus auf Kommunikation legen, insbesondere auf Strategien, die den emotionalen Ausdruck und das gegenseitige Verstehen fördern. Auch Trainings zu emotionaler Feinfühligkeit und Konfliktlösung sind wesentlich. Techniken wie aktives Zuhören, offene Fragen und modellhaftes Vorleben von Gefühlsausdruck sollten ein zentraler Bestandteil kontinuierlicher Weiterbildung für Fachkräfte im Kindergarten sein.
Soziale Kompetenzen von Pädagog*innen, also die Fähigkeit, ein positives und unterstützendes Umfeld zu gestalten, haben einen erheblichen Einfluss auf die kindliche Gesamtentwicklung. Fachkräfte mit ausgeprägten sozialen Fähigkeiten können Gruppenprozesse besser steuern und Konflikte unter Kindern konstruktiv begleiten. Kinder lernen soziale Kompetenzen durch Beobachtung und Interaktion mit Pädagog*innen, die ein positives Miteinander vorleben. Klare, verlässliche Regeln in Kombination mit Wärme und Zuwendung geben Kindern Sicherheit und fördern ihre Selbstregulation. Pädagog*innen, die ihre sozialen Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln, leisten somit einen wesentlichen Beitrag zu einer unterstützenden Lernumgebung, die für das Wohlbefinden von Kindern grundlegend ist. Fortbildungen, die gezielt darauf vorbereiten, wie Gruppenaktivitäten strukturiert begleitet werden können, helfen Kindern nicht nur bei der Teilhabe an Teamarbeit, sondern auch beim Erwerb wichtiger Kooperations- und Konfliktlösungskompetenzen. Die Förderung von Zusammenarbeit und Teamfähigkeit sollte sowohl in der Arbeit mit Kindern als auch im professionellen Miteinander unter Kolleg*innen einen festen Platz in der Weiterbildung einnehmen. Trainingsinhalte wie Modelllernen, Gruppeninteraktionen anleiten und gemeinsames Problemlösen sind entscheidend für die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei Kindern.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Soziale Kompetenz ist ein zentrales Element für gelingende Gruppenprozesse im pädagogischen Alltag. Pädagog*innen mit stark ausgeprägten sozialen Fähigkeiten, wie Empathie, Kommunikation und Konfliktlösung, schaffen ein lernförderliches Umfeld, in dem Kinder sich unterstützt und eingebunden fühlen. Fortbildungen sollten daher gezielt auf Gruppenmanagement eingehen. Besonders wichtig sind hier Inhalte wie aktives Zuhören, Vermittlungsstrategien unter Gleichaltrigen und die Förderung inklusiver Beteiligung. Sie tragen wesentlich zu einer kooperativen und harmonischen Atmosphäre bei.
Trainings im Bereich sozialer Kompetenzen verbessern die Qualität der Interaktion zwischen Pädagog*innen und Kind und wirken sich positiv auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern aus. Kurzfristige Schulungen reichen jedoch nicht aus, um langfristige Veränderungen im professionellen Handeln zu bewirken. Stattdessen sind kontinuierliche Lernprozesse und regelmäßige Reflexion sowie kollegialer Austausch notwendig, um soziale Kompetenzen nachhaltig zu stärken und sicherzustellen, dass diese auch im pädagogischen Alltag verlässlich umgesetzt werden.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die zentrale Bedeutung einer nachhaltigen, gut begleiteten beruflichen Weiterentwicklung im Bereich sozialer Kompetenzen. Davon profitieren sowohl die Qualität der Beziehungsgestaltung als auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder. Insbesondere umfassende und kontinuierliche Fortbildungsprogramme, die Theorie, Praxis und Reflexion miteinander verbinden, sind entscheidend, um soziale Kompetenz bei Pädagog*innen im Elementarbereich wirksam zu fördern.
In der Gruppe der Fünfjährigen gibt es zwei Kinder, die Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation und der Kontrolle von Wut haben. Sie bekommen starke Wutanfälle. Manchmal schlagen die Kinder mit dem Kopf auf den Boden oder bringen andere Kinder oder auch Bezugspädagog*innen Hamid und Joanna in Gefahr, indem sie mit Spielzeug oder Stühlen werfen.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Wenn Kinder andere und/oder sich selbst gefährden, muss interveniert werden, ohne abzuwerten oder zu bestrafen. Pädagog*innen sollten im Alltag durchgehend emotionale Regulation vorleben, etwa durch das sprachliche Benennen von Gefühlen und Vorschlagen von Strategien („Ich sehe, dass du wütend bist. Möchtest du zusammen mit mir tief durchatmen?“). Auch proaktive Maßnahmen wie das Umlenken der Aufmerksamkeit, der Einsatz von Material (z. B. Stressbälle) und positives Feedback, wenn es dem Kind gelingt, Emotionen zu regulieren, wirken entwicklungsförderlich. Das steckt dahinter: In einem empathischen Umfeld mit klaren Strukturen fühlen sich Kinder verstanden und angenommen. Dies kann helfen, aggressives Verhalten zu verringern. Auch die Zusammenarbeit mit Eltern ist wichtig, um pädagogische Maßnahmen anzupassen.
Ferdinand (5;2 Jahre) hat einen Integrationsstatus, die emotionale Selbstregulation fällt ihm schwer, häufig hat er starke Wutanfälle. Am Montagmittag verweigert er die Teilnahme an der gemeinsamen Mahlzeit und reagiert auch auf Gesprächsangebote der Fachkräfte ablehnend. Beim Abholen, das die Großmutter übernimmt, informiert die pädagogische Fachkraft darüber, dass Ferdinand nicht gegessen hat. Die Großmutter reagiert verärgert und verweist auf die Kosten des Essens. In diesem Moment äußert Ferdinand, dass er nun Hunger habe. Die Großmutter fordert, dass Ferdinand jetzt sofort etwas zu essen angeboten wird. Andere Kinder beobachten die Situation und wirken irritiert.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Die Pädagogin kann erklären, welche Schritte unternommen wurden, um Ferdinand zum Essen zu ermutigen, dabei aber auch auf die Eigenständigkeit des Kindes und seine emotionale Verfassung eingehen. Gleichzeitig hilft es, eine Lösung anzubieten, etwa einen kleinen Snack bereitzustellen oder in Ruhe über Essensvorlieben zu sprechen, um Flexibilität und Fürsorge zu zeigen. Um ähnliche Situationen künftig zu vermeiden, können in einem Gespräch Erwartungen abgestimmt und gemeinsam kindgerechte Strategien entwickelt werden. Das steckt dahinter: In solchen Situationen ist ein empathischer, ruhig bleibender Umgang entscheidend durch aktives Zuhören und das Ernstnehmen der Sorgen der Großmutter. Indem die Fachkraft selbst ruhig bleibt und wertschätzende Sprache wählt, sendet sie nicht nur positive Signale an das Kind und die Großmutter, sondern auch an die übrigen Kinder, die die Szene miterleben.
Am dritten Tag der Eingewöhnung begleitet Zeldas Mutter ihre gerade zwei Jahre alt gewordene Tochter erneut in der Gruppe. Beim Abschied wendet sie sich an Mara, die Bezugserzieherin, und sagt: „Ich bin wirklich beeindruckt. Ich habe das Gefühl, dass du zu jedem Kind eine warmherzige Beziehung aufbaust. Die Kinder wirken offen und überhaupt nicht gehemmt. Wie machst du das? Hast du einfach ein besonders großes Herz?“
Mara antwortet: “Diese Rückmeldung freut mich sehr. Im Team legen wir großen Wert auf das Wohlbefinden der Kinder. Wir versuchen, die emotionalen Befindlichkeiten der Kinder sensibel wahrzunehmen und feinfühlig darauf einzugehen. Wir begegnen ihnen wie ein Spiegel: durch Mimik, Körperhaltung und Sprache signalisieren wir, dass wir ihre Gefühle ernst nehmen und versuchen, sie wirklich zu verstehen. Das stärkt das Gefühl der Kinder in Bezug auf Sicherheit, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit.“
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Wenn Eltern authentisch ihre Wertschätzung äußern, kann die pädagogische Fachkraft dies aufgreifen, um die Beziehung zu stärken, ein freudiger Moment, der auch dem eigenen professionellen Selbstbewusstsein gut tut. Indem die Wahrnehmung der Eltern bestätigt wird, fühlen sie sich ernst genommen. Ein gleichwertiger Dialog beginnt. Mara verdeutlicht im Beispiel auch, dass der Aufbau stabiler Beziehungen zu Kindern bewusst erfolgt: durch Empathie, aktives Zuhören und ein sicheres Umfeld, in dem sich Kinder verstanden und angenommen fühlen. Werden konkrete pädagogische Strategien benannt, wie der Blick auf individuelle Bedürfnisse, verlässliche Routinen und offene Kommunikation, wird professionelle Haltung für Eltern greifbar. So entsteht Vertrauen und eine gute Basis für die Zusammenarbeit zum Wohl des Kindes.
Die Pädagogin beobachtet Farhad (5;5). Farhad findet heute nicht ins Spiel, wirkt verloren, Die Pädagogin weist Farhad auf verschiedene Funktionsbereiche hin. Farhad beginnt ein Bauspiel, bricht ab und lässt alle Bausteine liegen, geht dann zum Maltisch, hört bald wieder auf und hinterlässt Chaos. Die Pädagogin erinnert Farhad freundlich daran, das verwendete Material aufzuräumen, bevor der Ort gewechselt wird. Farhad will das nicht. Die Pädagogin bleibt dran: „Komm schon, das dauert doch gar nicht lange!“ und bietet Hilfe beim Aufräumen an. Farhad rennt wütend weg und schreit: „Lass mich in Ruhe! Ich hasse dich!“
Obwohl die Pädagogin aufmerksam ist und mit dem Kind spricht, gibt es kein positives Ergebnis. Wo ist die Kommunikation aus dem Gleichgewicht geraten? Was war das Ziel der Pädagogin? Wie würdest du das Kind ansprechen?
Pädagogin Matilde verhält sich unprofessionell. Es besteht ein dringender Bedarf, dass sie ihr Sprachangebot und ihre Einstellung reflektiert und ändert. Kolleg*innen, die diese Situation beobachten, sollten reagieren. Das steckt dahinter: Das Abwerten von Emotionen und Zuschreibungen (Drama-Queen) verunsichern und verletzen ein Kind und sind eindeutig pädagogisches Fehlverhalten.
Henrike (4;11) wendet sich an Pädagogin Matilde. Henrike atmet schwer, hat Tränen in den Augen, will etwas sagen, aber schafft es nicht. Pädagogin Matilde sagt: „Komm schon, Henrike, um was geht es denn? Heute bist du echt eine Dramaqueen.“
Henrike (4;11) wendet sich an Pädagogin Olga. Henrike atmet schwer, hat Tränen in den Augen, will etwas sagen, aber schafft es nicht.
Pädagogin Olga sagt: “Henrike, du siehst aufgebracht aus. Es ist gerade schwer für dich zu sprechen. Wir könnten gemeinsam ein paar langsame, tiefe Atemzüge machen, wenn du magst. Danach fühlst du dich vielleicht ruhiger und kannst erzählen, was los ist.”
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Die Anerkennung kindlicher Gefühle ("Ich sehe, dass du verärgert bist; es ist in Ordnung, so zu fühlen."), das Angebot emotionaler Unterstützung und beruhigender Strategien fördern Vertrauen und emotionale Sicherheit. Sozial kompetente Fachkräfte spiegeln Emotionen einfühlsam, nutzen feinfühlige Sprache und bieten ggf. Strategien der Emotionsregulation, z.B. gemeinsames Atmen an. So entsteht ein sicherer Raum, in dem Kinder lernen, ihre Gefühle im eigenen Tempo zu regulieren.
In den Wintermonaten ist in den Gruppenräumen die Deckenbeleuchtung an. Das Licht ist effizient, aber kalt.
Im Gesprächskreis sagt ein Kind: „Das Licht oben tut immer meinen Augen weh!“
Die Pädagog*innen fragen die Kinder: „Wie finden die anderen das Licht? Können wir etwas tun, damit sich alle wohlfühlen?“
Die Kinder diskutieren und beschließen ein Experiment: Sie schalten das Deckenlicht aus. Plötzlich ist der Raum dunkel, Gesichter sind schwer zu erkennen. Einige Kinder bekommen sogar Angst.
"Wir brauchen eine Taschenlampe! Ich habe eine zu Hause.", sagt Julius (5;6).
Hilma (5;2) erinnert sich an batteriebetriebene Teelichter für Geburtstagsfeiern. Diese werden gesucht und gefunden. Die Gruppe versammelt um die "Kerzen" und genießt die heimeligen Lichter und das Beieinandersein.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Zu den wichtigsten Strategien, die eine pädagogische Fachkraft anwenden kann, gehören:
Die Pädagog*innen Frederick und Kayla haben in der Vorwoche beobachtet, wie die Kinder im Freispiel den Baubereich nutzen. Sie stellten fest: Es gibt mehr Frust und Geschrei als vertieftes, explorierendes Spiel. Kayla hat sofort Ideen: eine Ampel und Verhaltensposter einführen wäre gut.
Frederick hat einen andere Ansatz: "Lass uns lieber einen Schritt zurücktreten und zuerst mit der Gruppe sprechen." Kayla stimmt zu.
Von den Kindern erfahren sie folgendes:
Die Pädagog*innen besprechen das Ergebnis mit der Gruppe und laden die Kinder ein, Ideen zur Verbesserung zu entwickeln.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Das steckt dahinter: Im Baubereich bietet sich ein großes Potenzial, Partizipation und soziales Lernen zu fördern. Gemeinsam mit den Kindern entwickelte Gruppenregeln, etwa zur Rollenverteilung, Kommunikation und Materialnutzung, schaffen Struktur und stärken das Verantwortungsgefühl. Kooperative Aufgaben („Baut gemeinsam den höchsten Turm!“) regen zur Teamarbeit an und fördern wichtige Kompetenzen. Pädagogische Fachkräfte begleiten moderierend, unterstützen bei Konflikten und regen zur Reflexion an. Rollen wie Planer*in oder Gestalter*in ermöglichen den Kindern, sich mit ihren Stärken einzubringen. Regelmäßige Gesprächsrunden fördern Mitbestimmung und ein demokratisches Miteinander.
Seit Beginn des neuen Kindergartenjahres geht es in der Gruppe der Vierjährigen, der Bienen, turbulent zu. Es wird häufig laut geschrien, Materialien werden nicht geteilt, und bei Ärger wird schnell geschubst oder gehauen. Die beiden Bezugspädagog*innen tauschen sich aus und beschließen, Mediation und Problemlösefähigkeiten stärker in den Alltag zu integrieren. Ein erster Schritt: Sie etablieren eine Routine. Wenn ein Streit eskaliert oder ein Kind emotional überfordert ist, wird verabredet, ein „Stopp“-Signal zu geben. Die beiden Bezugspädagog*innen leben das Verhalten vor und nutzen eine Handpuppe, um die Strategie mit Spaß zu etablieren. Als erste Kinder das “Stopp” aufgreifen, bestärken sie sie in ihrem Verhalten.
Nennen Sie weitere Schritte, die Kindern dabei helfen, Problemlösefähigkeiten und ein Verständnis für Peer-Mediation zu entwickeln.
Nach dem Einstieg mit der Stopp-Strategie können weitere Methoden gewählt werden. Bildkarten zu Konfliktlösungsstrategien geben Orientierung im Alltag. Handpuppen, Rollenspiele und Bildgeschichten unterstützen Kinder darin, Gefühle auszudrücken und prosozial zu handeln. Projekte etwa im Kunst- oder Baubereich helfen der Gruppe, zusammenzuwachsen. Das steckt dahinter: Um Konflikte und Lautstärke zu reduzieren und zur Kooperation anzuregen, ist es zentral, das kindliche Bedürfnis nach Sicherheit ernst zu nehmen sowie gezielt soziale Kompetenzen zu fördern. Ein Stopp unterbricht eine Stresssituation und bietet Raum für Rückzug und selbstständige Konfliktlösung. Die Pädagog*innen im Beispiel leben konstruktives Verhalten konsequent vor und stärken Kinder durch gezieltes Feedback.
Die Bedeutung lernbezogener Kompetenzen wird in bildungspolitischen Dokumenten der EU und in globalen Forschungsarbeiten zur Qualität von Bildungssystemen hervorgehoben. Die Teilnahme an kontinuierlicher beruflicher Weiterbildung (CPD) gilt als wichtiger Prädiktor für die Qualität von Interaktionen zwischen Pädagog*innen und Kind und steht in direktem Zusammenhang mit kindlicher Entwicklung und Bildung (Jensen & Rasmussen, 2019; OECD, 2018).
Um mit sich wandelnden Paradigmen in der frühkindlichen Bildung Schritt zu halten und auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie veränderte gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren, müssen sich Pädagog*innen kontinuierlich weiterentwickeln. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit Forschungsergebnissen, pädagogischen Prinzipien im Wandel und Praxisbeispielen. Eine Haltung des lebenslangen Lernens ermöglicht es Fachkräften, ihre Fähigkeiten stetig zu erweitern zum Wohl der Kinder.
Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ist die Kompetenz des „Lernen zu lernen“ Teil bildungspolitischer State of the Art geworden. Internationale Organisationen wie OECD (2017, 2019, 2020), UNESCO (2013/2014) und die Europäische Kommission (2021) betonen in ihren Empfehlungen die Bedeutung dieser Schlüsselkompetenz für lebenslanges Lernen (L2L, Europäischer Rat 2006).
Der Europäische Rahmen für personale, soziale und Lernkompetenzen (LifeComp) soll ein gemeinsames Verständnis dieser Schlüsselkompetenz fördern und deren Umsetzung erleichtern. Die LifeComp-Kompetenzen werden als flexibel beschrieben und durch formales, non-formales und informelles Lernen erworben. Ihre Entwicklung gilt als entscheidend, damit Bürger*innen ihr Lernen und ihre beruflichen Wege selbstbestimmt gestalten können (Caena 2019; Sala et al. 2020).
Lernen zu lernen ist eine Kompetenz, die im gesamten Lebensverlauf erworben werden kann. Sie ist ein relevanter Motor für Veränderungen im Erwachsenenalter und fördert Beschäftigungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
Lernen zu lernen gilt als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts, die auch frühpädagogische Fachkräfte entwickeln sollten, um sie schon im frühen Kindesalter bei Kindern zu fördern. (Brito et al., 2021; Huerta et al., 2020).
Lernen zu lernen ist die Fähigkeit, eigene Lernprozesse weiterzuverfolgen sowie dieses Lernen zu organisieren. Lernen zu lernen betrifft sowohl affektive als auch kognitive Elemente und stellt eine Kombination aus Wissen, Fähigkeiten und Haltungen dar: selbstreguliertes Lernen, Metakognition und Lernmotivation, die Aneignung, Verarbeitung und Anwendung neuen Wissens und neuer Fertigkeiten sowie die Fähigkeit, Hilfen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Wissen umfasst dabei Kenntnisse über bevorzugte Lernmethoden, Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Lernen zu lernen schließt das Wissen über bevorzugte Lernstrategien, das Bewusstsein für den eigenen Lernprozess und die eigenen Lernbedürfnisse, das Erkennen von Lerngelegenheiten sowie die Fähigkeit, Hindernisse beim Lernen zu überwinden, mit ein. Diese Kompetenz ist auch verbunden mit Kenntnissen über individuelle Entwicklungsbedarfe und Wege zur Kompetenzentwicklung sowie mit einem Fokus auf Bildung, Fortbildung und Gestaltung der beruflichen Laufbahn.
Fähigkeiten beinhalten das Management des eigenen Lernens und der beruflichen Entwicklung, Ausdauer, Eigenständigkeit, die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung, Konzentration, Entscheidungsfähigkeit, Organisation, kritisches Denken über Lernziele sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit ebenso wie die Fähigkeit, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Auch Toleranz, Perspektivübernahme sowie der Aufbau von Vertrauen und Empathie gehören zu den sozialen Aspekten der Kompetenz.
Einstellungen und Werte betreffen das Selbstbild und die Bereitschaft zur Veränderung, Motivation, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie eine positive Haltung zum Lernen. Menschen sollen in der Lage sein, Ziele zu setzen, sich selbst zu motivieren und Ausdauer sowie Selbstvertrauen zu entwickeln, um Lernen lebenslang zu verfolgen. Eine problemlösende Haltung unterstützt sowohl den Lernprozess als auch die Fähigkeit, mit Herausforderungen und Veränderungen umzugehen. Dazu gehört der Wunsch, Vorerfahrungen und Lebenswissen zu nutzen sowie die Neugier, in unterschiedlichen Lebensbereichen Lernchancen zu suchen.
Lernen zu lernen bedeutet, dass Pädagog*innen an ihr Vorwissen und ihre Lebenserfahrungen anknüpfen, um diese in verschiedenen Kontexten, wie zu Hause, bei der Arbeit, in der Aus- und Weiterbildung, nutzbar zu machen. Motivation und Selbstvertrauen sind dafür grundlegend (Europäisches Parlament, 2006). Eine erweiterte Definition (Rat der Europäischen Union, 2018) schließt persönliche Kompetenzen wie Selbstwahrnehmung und Wohlbefinden, soziale Kompetenzen wie Kooperation sowie Fähigkeiten zur Lebens- und Laufbahngestaltung ein. Lernen zu lernen kann so als Metakompetenz verstanden werden, die übergeordnete Fähigkeiten zur Steuerung und Entwicklung weiterer Kompetenzen umfasst. Sie befähigt Menschen, innovative Lösungen für Herausforderungen in einer instabilen und komplexen Welt zu finden (Caena, 2019).
Im erweiterten Verständnis von Lernen zu lernen treten zwei Funktionen hervor: Erstens soll individuelles Lernen und persönliche Entwicklung unterstützt werden. Zweitens soll erfolgreiche Teilhabe und Handlungsfähigkeit in einer dynamischen Gesellschaft ermöglicht werden und damit der Aufbau lernender Gesellschaften gefördert werden. Der persönliche Bereich umfasst kognitive, metakognitive und motivational-affektive Dispositionen wie Neugier, Ausdauer und Kreativität. Der soziale Bereich bezieht sich auf das Verstehen von Lernumgebungen, soziale Werte, Beziehungen und die Wahrnehmung von Unterstützung.
Laut dem europäischen Rahmen LifeComp (Sala, Punie & Garkov, 2020) gliedert sich Lernen zu lernen in drei Teilbereiche: ein dynamisches Selbstbild, kritisches Denken und Lernmanagement, jeweils mit drei Deskriptoren im Referenzdokument.
Lernen zu lernen ist auf allen Bildungsebenen zentral, auch für Fachkräfte im Elementarbereich. Diese Kompetenz betont die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess aktiv zu gestalten mit langfristigem Nutzen für Bildung und Beruf.
Pädagog*innen kommt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Lernprozessen zu. Ihre professionelle Haltung und Bereitschaft zur Weiterentwicklung stärken nicht nur ihre Handlungskompetenz im Alltag, sondern wirken auch als Vorbild: Kinder orientieren sich an ihrem Verhalten und gestalten ihre Lernprozesse entsprechend.
Die Förderung der Kompetenz Lernen zu lernen erfordert eine aktive Lernhaltung. Wenn jedoch in der Ausbildung, insbesondere während der Praxisphasen, top-down-orientierte Ansätze (Lernangebote) vermittelt werden, stehen statt eigenverantwortlichem und reflexivem Lernen die Umsetzung fremdbestimmter Vorgaben im Vordergrund und die Entwicklung einer nachhaltigen Lernhaltung und deren Transfer in den Berufsalltag wird erschwert.
Laut Stringher (2014) lassen sich zentrale Elemente von Lernen zu lernen bei pädagogischem Personal wie folgt benennen:
Forschung weist darauf hin, dass das Bewusstsein und Wissen von Pädagog*innen über die Kompetenz Lernen zu lernen eine Rolle in der Gestaltung entsprechender Bildungsprozesse spielt (Demetriou, 2014). Im Rahmen dieses Konzepts wird vorgeschlagen, bestehende Vorstellungen über das Lernpotenzial in der frühen Kindheit kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Ein möglicher Zugang besteht darin, dass Pädagog*innen ihre eigenen Auffassungen zum Lernen des Lernens, ihre aktuellen pädagogischen Praktiken sowie eingesetzte Aktivitäten systematisch analysieren, um Potenziale für die Unterstützung kindlicher Lernkompetenz zu identifizieren.
Oskar (5;3). hat oft Schwierigkeiten bei Aufgaben, die Hand-Auge-Koordination erfordern. An diesem Morgen entscheidet sich Oskar für ein Puzzle mit sehr kleinen Teilen. Nichts scheint zu passen. Oskar sieht unglücklich aus. Pädagoge Manuel beobachtet Oskars Bemühungen. Manuel sieht, dass einige Puzzleteile bereits passen, doch Oskar wirkt zunehmend frustriert.
Was könnte als Nächstes passieren? Wird Manuel eingreifen und helfen? Welche Art von Hilfe könnte Manuel anbieten? Wie könnten Manuels eigene Lernerfahrungen die Art der Unterstützung beeinflussen?
Es ist normal und völlig in Ordnung, dass manche Aufgaben schwierig und frustrierend sind, bevor sich Erfolg einstellt. Manuel könnte gemeinsam mit Oskar Strategien entwickeln, zum Beispiel eine Pause machen, online nach Tipps fürs Puzzeln suchen, ein anderes Puzzle auswählen oder andere Kinder einladen, mitzumachen. Das steckt dahinter: Wenn Manuel selbst aktiv Lernen zu lernen praktiziert, wirken seine dialogischen Unterstützungsangebote authentisch und motivierend.
Carmen und Daria arbeiten in einer kleinen, familiären Kita, die seit einigen Monaten geöffnet ist. Ihnen ist aufgefallen, dass das morgendliche Ankommen und das abendliche Abholen der Kinder fast täglich sehr lange dauert und für alle Beteiligten oft stressig ist.
"Warum brauchen Eltern morgens oder am Nachmittag so lange, um sich zu verabschieden?" fragt Carmen.
Daria hat eine Idee: "Vielleicht liegt es daran, dass die Eltern nicht genau wissen, wo der Gruppenraum beginnt. Unser Raum ist ja offen zum Eingangsbereich."
Carmen stimmt zu: "Stimmt, ich würde auch nicht auf Anhieb erkennen, wo der Abschiedsbereich ist!"
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Gemeinsam überlegen sie, wie sie mit den Kindern und Eltern die Raumgestaltung so verändern können, dass klar ist, wo der Abschied stattfindet. So könnten Übergänge leichter und entspannter gelingen, ein wichtiger Schritt für einen gelungenen Kita-Alltag.
Die Kita hat neue Tablets erhalten. Die Pädagoginnen Xenia und Yara starten mit den Fünfjährigen ein Medienprojekt. In der ersten gemeinsamen Gesprächsrunde berichten sie, dass sie zwar vorbereitend eine Fortbildung zur Nutzung von Tablets besucht haben, aber selbst noch Anfängerinnen im Umgang mit den Tablets im Kita-Alltag sind. Sie äußern sich positiv dazu und freuen sich darauf, im Projekt gemeinsam mit den Kindern vieles zu entdecken und zu lernen.
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Das steckt dahinter: Xenia und Yara zeigen Neugier im Umgang mit neuen Medien und leben den Kindern vor, was lebenslanges Lernen bedeutet. Sie teilen ihre eigenen Lernziele offen, z. B.: „Am Ende des Projekts möchte ich verstanden haben, wie dieses Tool funktioniert.“ Damit laden sie die Kinder ein, gemeinsam Neues zu entdecken. Sie gehen offen mit Unsicherheiten um und zeigen: Man muss nicht alles sofort wissen, wichtig ist die Bereitschaft, es herauszufinden. Durch diese Haltung stärken sie Selbstwahrnehmung, Lernfreude und die Akzeptanz von Fehlern. Sie könnten sagen: „Es ist in Ordnung, nicht sofort alles zu wissen. Wichtig ist, dass man bereit ist, es herauszufinden.“ Auch Humor kann dabei helfen, die Angst vor dem Scheitern abzubauen.
Quentin möchte in der Kita ein neues Bücherregal einrichten. In der Teamsitzung weisen Kolleg*innen darauf hin, dass es bereits Bücherkisten in der Leseecke gibt.
Quentin erklärt: „Ja, wir nutzen Vorlesebücher in der Freispielzeit. Das ist toll und wichtig für die Sprachentwicklung. Aber ich habe bemerkt, dass Kinder Bücher oder Medien kaum nutzen, um selbstständig etwas über Projektthemen zu erfahren. Sie warten meist darauf, dass wir vorlesen. Ich dachte an ein Entdeckerregal, das Medien als spannende Quelle sichtbar macht.“
1. Welche Emotionen könnte die pädagogische Fachkraft im Beispiel haben? Was macht die pädagogische Prozessqualität in der geschilderten Situation aus? 2. Kennst du ähnliche Situationen? Welche Gefühle hattest du? Wie hast du dich verhalten? Warst du zufrieden mit dem Fortgang der Situation? Würdest du heute etwas anders machen?
Die Kita kann die Gestaltung eines neuen Regals als Anlass für ein partizipatives Projekt nutzen. Quentin erklärt: "Die Pädagog*innen begleiten die Kinder dabei, ihre Ideen zu äußern, Entscheidungen zu begründen und Aufgaben im Team zu lösen." Das Regal wird dauerhaft zu einer von allen genutzten Wissensquelle, einem lebendigen Lernort, der Neugier weckt und nachhaltige Lernprozesse unterstützt.
Alma arbeitet seit acht Jahren als Erzieherin. Seit der Ausbildung hat sie keine Fort- oder Weiterbildung besucht. Seit vier Monaten arbeitet sie nun in einer neuen Kita. Die Leitung dort spricht in Teamsitzungen immer an, wie wichtig regelmäßige Fortbildungen sind. Nun hat sie ein Gespräch mit Alma vereinbart, um über das Thema Fortbildung zu sprechen und in die konkrete Planung zu gehen.
Aus welchem Grund könnte Alma bislang keine Fortbildungen besucht haben? Wie kann sie sich auf das Gespräch vorbereiten? Wie ist deine Einstellung zu Fortbildungen? Wie sollte die Fortbildungsplanung in einem Team gestaltet werden?
Das steckt dahinter: Berufliche Weiterentwicklung ist ein wichtiger Bestandteil pädagogischer Professionalität. Erzieher*innen übernehmen dabei eigenverantwortlich die Planung ihrer Lernziele, orientiert an persönlichen Interessen und aktuellen Anforderungen im Alltag. Die Leitung unterstützt diesen Prozess durch Beratung, passende Rahmenbedingungen und gezielte Teamentwicklung. So entsteht ein gemeinsamer Lernprozess, der Fachlichkeit stärkt und zur Qualität der pädagogischen Arbeit beiträgt.
Es ist Frühling. Der Kita-Außenbereich wirkt grau und trostlos. Einige Kinder haben die Idee, Blumen zu pflanzen, ein neues Projekt entwickelt sich. Die Erzieher*innen Bert und Carola haben viel Projekterfahrung und wollen die Kinder in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Beim ersten Projektgruppentreffen laden sie alle Kinder zur Mitgestaltung ein und skizzieren die Schritte, die es braucht, um ein Projekt gemeinsam erfolgreich umzusetzen.
Warum ist es sinnvoll, Projektschritte zu skizzieren? Welche Schritte gehören dazu? Warum ist es den Pädagog*innen wichtig, die Kinder aktiv einzubeziehen?
Eine klare Struktur hilft, den Projektverlauf besser zu planen, den Überblick zu behalten und Lernziele gezielt zu verfolgen, Fortschritte zu dokumentieren und bei Bedarf flexibel anzupassen (Projektschritte: 1. Lernziele definieren, 2. Inhalte und Aktivitäten planen, 3. Lernprozesse beobachten und dokumentieren, 4. Reflexion, 5. Ergebnisse und Erfahrungen teilen). Das gemeinsame Lernen motiviert und fördert eine offene Lernkultur.
Du weißt es längst: Soziales, emotionales und "Lernen zu lernen", (sogenanntes metakognitives Lernen), sind keine pädagogischen Schlagwörter. Sie bilden das Fundament für gelingende Entwicklung und ein gutes Miteinander im Alltag mit Kindern.
Mit diesem Projekt rückst du diese Themen bewusst ins Zentrum deiner pädagogischen Arbeit.
Und ja, die folgenden Grundprinzipien kennst du wahrscheinlich schon in- und auswendig. Da sie uns so wichtig sind, stehen sie als Erinnerung gleich am Beginn der Einführung. Sie sind der rote Faden, der alles zusammenhält.
Das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und Entscheidungen stets an seinem Wohl auszurichten, ist ein Grundpfeiler frühkindlicher Bildung und Betreuung.
Das bedeutet: Jede Haltung, jede Maßnahme und jede Aktivität, die Kinder betrifft, soll ihre Sicherheit, ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklung fördern.
Dieses Prinzip ist nicht nur pädagogisch und ethisch sinnvoll, sondern in Deutschland gesetzlich verankert. (Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention und unter dem Gesichtspunkt der Partizipation im § 8a Abs. 1, SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfegesetz).
Wenn du das Wohl des Kindes zur Richtschnur machst, entsteht ein Raum, in dem sich Kinder sicher, gesehen, geachtet und gestärkt fühlen.
Das Projekt unterstützt dich mit erprobten Methoden, um jedes Kind individuell und feinfühlig zu begleiten in einer zugewandten und entwicklungsfördernden Lernumgebung.
Ein wertschätzender Umgang mit Vielfalt ist unerlässlich. Kinder sollen Stolz für ihre eigene Identität entwickeln und zugleich lernen, andere in ihrer Verschiedenheit zu respektieren und zu verstehen.
Mit dem Anti-Bias-Ansatz reflektieren wir eigene unbewusst vorhandene Vorurteile, um uns selbst weiterzuentwickeln, um Vielfalt besser zu leben, Ausgrenzung vorzubeugen und echte Teilhabe von Kindern zu ermöglichen. Es beginnt mit unserer Haltung: offen, neugierig und reflektiert. Wir schauen anders auf unsere Umwelt, achten beispielsweise zunehmend darauf, Materialien einzusetzen, in denen sich möglichst viele Kinder wiederfinden können, ohne Klischees, ohne Einseitigkeit.
In den Aktivitäten findest du sorgfältig ausgewählte Geschichten, Bilder und Materialien, die die Vielfalt von Familienformen, kulturellen Hintergründen und Lebensrealitäten sichtbar machen.
Soziales und emotionales Lernen endet nicht an der Tür der Einrichtung.
Binde Eltern aktiv ein, mit kleinen Impulsen für zu Hause, Einladungen zu Geschichten oder Aktivitäten oder auch durch Elternabende, bei denen SEL-Themen praxisnah vermittelt werden.
Wenn Pädagog*innen und Eltern an einem Strang ziehen, entsteht eine stabile Brücke zwischen zuhause und Kita. Und genau das gibt Kindern Orientierung, Sicherheit und Rückhalt.
Für deinen Einstieg in die SEL-Praxis stehen dir zwei zentrale Bausteine zur Verfügung:

Unser Booklet unterstützt dich dabei SEL, also soziales und emotionales Lernen, auf situative, kindzentrierte und spielerische Weise in den Kindergartenalltag zu integrieren. Die Geschichten greifen zentrale Themen wie Freundschaft, Empathie, Vielfalt und gemeinsames Problemlösen auf, spannend, kindgerecht und nah an der Lebenswelt der Kinder.
Durch Zuhören, Erzählen, Besprechen oder Nachspielen stärken die Kinder ihre sozialen Beziehungen, lernen, Gefühle zu verstehen und auszudrücken, und entwickeln Vertrauen in ihre Fähigkeit, alltägliche Herausforderungen selbstbewusst zu meistern. Die Geschichten können durch Materialien wie Handpuppen, Bildkarten und Spielideen ergänzt werden, die die Fantasie anregen, die Inhalte lebendig werden lassen und zur aktiven Teilnahme ermutigen.
Ein besonderer Schwerpunkt des Booklets liegt auf dem Kompetenzbereich L2 - Lernen (Kritisches Denken). Die Aktivitäten und Geschichten unterstützen Kinder dabei, Selbstwahrnehmung, Reflexionsfähigkeit, Neugier und selbstständige Lernstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig fördern sie durch Zusammenarbeit, Kommunikation, Empathie und gemeinsame Erfahrungen wichtige personale und soziale Lernkompetenzen.
Handpuppe selbst herstellen – Anleitung

Du kannst bei allen Basis- und Aufbauaktivitäten aus verschiedenen Formaten wählen: spielerische Übungen, Rollenspiele oder gezielte kindgemäße SEL-Techniken. Oder es geht gleich mit einem Projekt los, das sich über mehrere Einheiten erstreckt.
Projekte eignen sich besonders gut, um SEL-Themen dauerhaft im Alltag zu verankern und für Kinder persönlich bedeutsam zu machen.
Mach SEL auch zu einer Erfahrung in Partizipation. Du hast die Auswahl und den Überblick über die Methoden und du kennst die Kinder deiner Gruppe. Beziehe sie aktiv in die Umsetzung ein und stelle Ideen zur Auswahl. Denn, Hand aufs Herz: Nicht alles, was wir "Großen" für sinnvoll halten, ist für Kinder automatisch genauso attraktiv. Sei offen für das, was entsteht, wenn du den Ideen der Kinder nachgehst.
Alle Aktivitäten sind flexibel einsetzbar: Du kannst sie an den Stand deiner Gruppe anpassen, einzelne Bausteine auslassen oder in eigener Reihenfolge einsetzen.
Jede Aktivität ist in sich abgeschlossen, klar strukturiert und mit Symbolen versehen. So findest Du dich schnell zurecht und kannst gezielt planen.
Mit jeder neuen Aktivität wird SEL ein selbstverständlicherer Teil deines pädagogischen Alltags - erlebbar, wirksam, lebendig.
Du kannst sofort mit der gesamten Reihenfolge starten, die alle Aktivitäten und Impulse enthält. Alternativ kannst du auch unsere Beispielsequenz nutzen, um SEL Schritt für Schritt in deinen pädagogischen Alltag zu integrieren.
Diese Beispielsequenz ist als Inspiration gedacht. Du kannst Reihenfolge, Tempo und Schwerpunkte jederzeit an die Bedürfnisse und Interessen deiner Kinder anpassen. Oft entstehen die wertvollsten Lernmomente genau dann, wenn Kinder besonders engagiert sind und ein Thema gemeinsam noch intensiver vertieft werden kann.
Schritt für Schritt können die vorgeschlagenen Aktivitäten dabei helfen, wichtige SEL-Erfahrungen und unterstützende Routinen aufzubauen, die sich über mehrere Monate hinweg nachhaltig im Alltag verankern. Danach kannst du ganz einfach zu den Aufbauaktivitäten des vollständigen Programms wechseln.
Phasen der Beispielsequenz und vorgeschlagene ungefähre Dauer:

Manche Aktivitäten lassen sich besonders gut in eine kleine Szene mit Handpuppen einbetten und wer wäre dafür besser geeignet als Kira und Miro? Die beiden eröffnen die Aktivität und gern mit dabei: die Zauberkiste. Sie ist ein pädagogisches Multitalent. In ihr stecken Materialien, die das Thema spannend einleiten. Das wirkt motivierend, aktivierend und mit einer Prise Magie.
Damit alles gut eingebettet ist, empfehlen wir unsere SEL Drei-Phasen-Struktur:
Während gemeinsamer SEL-Aktivitäten kann es dazu kommen, dass Kinder intensive Emotionen wie Freude, Wut, Traurigkeit, Angst oder Frustration sehr stark ausdrücken. Solche Situationen gehören zum pädagogischen Alltag, bieten wichtige Lerngelegenheiten und erfordern eine achtsame und professionelle Begleitung. Pädagogische Fachkräfte vermitteln in diesen Momenten Sicherheit, nehmen Gefühle ernst und unterstützen Kinder dabei, ihre Emotionen zu erkennen, zu benennen und zunehmend selbst zu regulieren. Zentrale Grundlage ist eine flexible, kindorientierte Haltung, bei der der geplante Ablauf auch zugunsten der aktuellen Gruppensituation angepasst wird.
Ebenso wichtig ist die Selbstregulation und Selbstreflexion der Fachkräfte: Eigene emotionale Reaktionen wie Unsicherheit, Ärger, Überforderung oder Hilflosigkeit sollten bewusst wahrgenommen und reflektiert werden, da sie das pädagogische Handeln beeinflussen können. Der regelmäßige Austausch im Team sowie kollegiale Beratung unterstützen dabei, Situationen professionell einzuordnen und das pädagogische Handeln kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Diese Haltung unterstützt dabei, starke Emotionen nicht als Störung, sondern als integralen Bestandteil frühkindlicher Entwicklung zu verstehen und gezielt für Lernprozesse zu nutzen.
Da Emotionen eng mit körperlichen Prozessen verbunden sind, kann der Körper als zentraler Zugang zur Emotionsregulation genutzt werden. In stark emotionalen Momenten lassen sich Inhalte häufig nicht mehr ruhig besprechen. Über den Körper können Kinder gezielt unterstützt werden, indem starke innere Erregung zunächst ausgedrückt, anschließend strukturiert und schließlich beruhigt wird. Fachkräfte sollten über eine gute Methodensicherheit verfügen sowie beim Angebot körperorientierter Impulse feinfühlig darauf achten, wie die Kinder reagieren und Ideen entsprechend anpassen.
Beispiele:
Die SEL-Basisaktivitäten bilden das Fundament. Die SEL-Aufbauaktivitäten stehen dir flexibel zur Verfügung. Mit ihnen vertiefen die Kinder ihr Wissen, üben weiter einen konstruktiven Umgang mit Gefühlen, verbessern ihre Selbstregulation, entwickeln ihre sozialen Kompetenzen, steigen tiefer ins Lernen zu lernen ein und finden als Gruppe noch besser zusammen.
Nutze die gewonnenen Erfahrungen und deinen Zuwachs an methodischer Sicherheit, um gezielt auszuwählen, was zu deiner Gruppe passt, natürlich wieder gemeinsam mit den Kindern.
Mit deiner Haltung, deinem Wissen und deinem Engagement für die Kinder wird SEL lebendig. SEL- Methoden und Materialien geben Impulse, doch erst durch dich entfalten sie ihre Wirkung, denn du begleitest Kinder dabei, sich wohl und selbstbewusst zu fühlen, sich selbst und andere besser zu verstehen, Beziehungen zu gestalten und mit Zuversicht zu wachsen.
Wir wünschen dir und den Kindern eine bereichernde Zeit, mit Hand, Herz, Kopf und viel Freude am gemeinsamen Entdecken.
| Bereich | Kompetenzen | Beschreibungen | Lernziele Mit Unterstützung einer erwachsenen Person wird das Kind: |
Lernergebnisse Mit Unterstützung einer erwachsenen Person wird das Kind in der Lage sein: |
Passende Aktivitäten |
|---|---|---|---|---|---|
| Persönlich | P1 Selbstregulation | 1. Bewusstsein für mich selbst |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
| 2. Bewusstsein für meine Sinne |
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Basisaktivität P1.2 Klänge in der Umgebung erforschen P1.2 Geruchsgedächtnis - Düfte erkunden und zuordnen P1.2 Materialien ganz praktisch mit den Händen erforschen |
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| 3. Bewusstsein für Emotionen |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
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| 4. Regulation von Emotionen |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
||
| P2 Flexibilität | 1. Bewusstsein für Veränderungen |
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|
Aufbauaktivität |
|
| 2. Anpassung bei Veränderungen |
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|||
| P3 Wohlbefinden | 1. Wohlbefinden oder Bewusstsein für biologische und psychologische Bedürfnisse |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
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| 2. Respekt für die Umwelt |
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Aufbauaktivität P3.2 Wir machen was mit Müll! (3 Recycling-Ideen) P3.2 Wachsen mit der Natur P3.2 Öko-Schatzsuche |
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| Sozial | S1 Empathie |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
|
| S2 Kommunikation | 1. Kommunikationsstrategien |
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Basisaktivität S2.1 Emotionen angeln |
|
| 2. Gesprächsfähigkeiten |
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Basisaktivität S2.2 Meine Gefühle … Wie fühle ich mich heute? |
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| 3. Zuhörfähigkeiten |
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|
Basisaktivität
Aufbauaktivität |
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| S3 Zusammenarbeit |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
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| Lernen |
L1 Wachstumsorientiertes Denken L3 Lernmanagement |
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Aufbauaktivität L1 Meine Superkräfte L1 Die Superkräfte-Tasche L1 Mein besonderer Tag in der Kita: Vom Planen zum Feiern L1 Meine Zeitleiste: Wachsen und Lernen L3 Meine Lernreise |
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| L2 Kritisches Denken |
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Basisaktivität
Aufbauaktivität |
Soziale und emotionale Kompetenzen entwickeln sich durch alltägliche Interaktionen in den verschiedenen Lebenswelten von Kindern. Während Kindergärten strukturierte Lernerfahrungen bieten, spielen Familien eine zentrale Rolle in der täglichen emotionalen und sozialen Entwicklung der Kinder.
Die Zusammenarbeit zwischen Pädagog*innen und Eltern hilft dabei, eine konsistente und unterstützende Lernumgebung für das Kind zu schaffen.
Eltern benötigen kein umfangreiches theoretisches Wissen über soziales und emotionales Lernen (SEL). Viel wichtiger ist, dass sie den Wert dieser Kompetenzen verstehen und sich sicher fühlen, ihre Kinder im Alltag zu unterstützen.
Informationen, die der Kindergarten an Eltern weitergibt, sollten daher:
SEL kann Eltern auf kleine und leicht zugängliche Weise vermittelt werden, zum Beispiel bei Elternabenden oder in informellen Gesprächen.
Eine gute Gelegenheit, SEL im Kindergarten vorzustellen, sind Elternabende. Eine einfache Struktur könnte Folgendes beinhalten:
Alltägliche Gespräche mit Eltern bieten wertvolle Möglichkeiten, ihr Verständnis für soziales und emotionales Lernen zu fördern. Dazu gehören zum Beispiel:
Verschiedene Informationsmaterialien können eine niedrigschwellige Möglichkeit bieten, die Kommunikation mit Eltern zu unterstützen. Diese Materialien können auch in verschiedenen Sprachen angeboten werden, um Eltern zu unterstützen, die die Umgebungssprache nicht sicher beherrschen. Solche Materialien können sein:
Kinder selbst können eine wichtige Rolle dabei spielen, SEL ihren Eltern näherzubringen. Ihre Beteiligung macht Lernen sichtbar und bedeutungsvoll. Mögliche Formate sind:
Die Zusammenarbeit mit Eltern gelingt am besten, wenn sie auf Vertrauen, Offenheit und gegenseitigem Respekt basiert. Ziel ist es nicht, Eltern zu belehren, sondern sie in ihrer Rolle zu unterstützen und ein gemeinsames Verständnis für die Entwicklung des Kindes zu schaffen.